Berliner Studenten protestieren freizügig gegen WuchermietenFoto: Alexandra Bucurescu / flickr.com
News | Wohnen
Dienstag, 7. September 2010

Berliner Studenten protestieren nackt gegen Wuchermieten

Beliebte Szeneviertel wie Friedrichshain oder Kreuzberg galten einst als recht günstige Wohngegenden, doch mit der steigenden Beliebtheit zogen auch die Mieten an. Besonders Studenten müssen in der Hauptstadt inzwischen tief in die Tasche greifen – und protestieren nun dagegen auf eine kreative Art.

Im vergangenen Jahr zogen einer kürzlich veröffentlichten Statistik zufolge die Mieten in Deutschland stark an. Auch Berlin machte da keine Ausnahme, im Gegenteil: In keiner anderen deutschen Stadt gab es Mieterhöhungen von bis zu 14 Prozent. Gegen diese steigenden Mietpreise protestieren Berliner Studenten nun auf eine ganz spezielle Art und Weise: nackt, wie Gott sie schuf, nur mit Masken auf den Gesichtern stürmen Frauen und Männer Wohnungsbesichtigungen. Begleitet von lautstarker Zirkusmusik, Seifenblasen und Luftschlangen vollziehen sie unter den Augen der Makler und Interessenten ihr buntes Spektakel.

Diese neue Art des Protests, den es in ähnlicher Art und Weise bereits in Paris und Hamburg gab, nennt sich selbst „Hedonistische Internationale“. Ihre Anhänger wohnen im selben Kiez und „kämpfen“ gemeinsam gegen die Mietsteigerungen, die das Sozialgefüge im Viertel durcheinanderbringen. So werfen sich die Protestierenden in ihre „Kostüme“ und machen die normalerweise recht gediegen verlaufenden Wohnungsbesichtigungen zur Peep-Show.

Die nackte Revolte kämpft gegen überhöhte Mieten, obwohl in Berlin ein Gesetz gegen Mietwucher existiert: dieses besagt, dass eine Anzeige gegen den Vermieter erstattet werden kann, sobald der verlangte Mietpreis laut Mietspiegel die ortsübliche Vergleichsmiete um 20 Prozent übersteigt. Allerdings tritt dieses Gesetz erst dann in Kraft, sollte es zu wenige freie Wohnungen in der Stadt geben. Über diesen Aspekt entscheidet jedoch die Stadtverwaltung.

Laut den Berliner Behörden sei in Berlin aber kein Wohnungsmangel zu verzeichnen, denn es gebe etwa 100.000 leer stehenden Wohnungen. Kein Grund also sich auf das Gesetz gegen den Mietwucher zu beziehen. Die Realität zeigt aber, dass die freien Wohnungen unregelmäßig auf die Stadtteile verteilt sind. In den begehrten, zentralen Stadtteilen herrsche schon beinahe Wohnungsknappheit.

Speziell in den Berliner Trendbezirken Friedrichshain und Kreuzberg sind die Widersprüche zwischen Mieten bereits bestehender Verträge und Neuvermietungen besonders hoch. Alle Neuankömmlinge zahlen dort inzwischen für eine Wohnung doppelt so viel an Miete als die meisten Nachbarn.

Solange aber die Berliner Stadtverwaltung ihre Meinung nicht ändert, müssen sich Vermieter und Wohnungssuchende bei Besichtigungsterminen auf den einen oder anderen nackten Überraschungsbesuch gefasst machen.

(MR)

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