Für den BWL-Master an der Uni Hamburg gibt es einen speziellen EignungstestSamuel G. / PIXELIO
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Montag, 20. September 2010

Uni Hamburg: umstrittene Chancengleichheit für alle

Trotz überdurchschnittlicher Noten war es kaum möglich, an der Universität Hamburg zum kommenden Wintersemester einen der begehrten Plätze für das BWL-Masterstudium zu bekommen. Grund war ein Qualifikationstest, den alle Bewerber bewältigen und auch noch selbst bezahlen mussten.

Der spezielle Aufnahmetest wurde aufgrund des enormen Ansturms auf den Masterstudiengang für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Hamburg von einem Unternehmen entwickelt, um allen Anwärtern eine faire Chance auf einen der beliebten Studienplätze zu ermöglichen.

Auf 170 verfügbare Plätze haben sich für den besagten Studiengang zum jetzigen Wintersemester 1.140 Bachelorabsolventen beworben. Dabei zählte nicht etwa vorrangig die Abschlussnote des BA-Studiums oder Auslandsaufenthalte, vielmehr sollte ein Studierfähigkeitstest der Firma ITB Consulting helfen, unter der Vielzahl an Studienbewerbern die richtige Wahl zu treffen.

Der Test dauerte rund sechs Stunden und bedeutete für die Teilnehmer einen Kostenaufwand von 97 Euro. Wer nicht teilnahm, wurde automatisch mit der Note 4,0 bewertet. Ärgerlich nur war es für die Bewerber, denen aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Noten im Bachelorstudium von der Uni mitgeteilt wurde, sie bräuchten sich aufgrund ihrer Vorleistungen keine Sorgen wegen der Zulassung zu machen. Diese Kandidaten nahmen nicht am besagten Test teil und kassierten daraufhin eine Absage, da ihre mittlerweile schlechteren Noten in der Rangliste zu weit hinten platziert waren. Die Note des Tests plus der BA-Abschlussnote ergab die Gesamtnote für die Vergabe der Studienplätze.

Stephan Stegt, Projektleiter von ITB Consulting, betonte in einem Gespräch mit taz.de nochmals die Chancengleichheit, die der Test für alle Studenten mit sich bringen würde. „Nur die Bachelor-Note zugrunde zu legen, sei keine Alternative, weil die Unis verschieden streng benoten. „Die Studenten fühlen sich veräppelt, wenn sie schlechtere Karten haben als Leute von anderen Unis“, so Stegt.

Mit der Bologna-Reform sollte aber ursprünglich das Ziel verfolgt werden, international vergleichbare Abschlüsse zu schaffen. Für Deutschland hätten die Bundesländer dafür Sorge zu tragen, dass die Abschlüsse in Bezug auf Bewertungen und Anforderungen innerhalb eines Landes sowie im Vergleich zu anderen europäischen Ländern vergleichbar sind. Da die Universitäten aber ungleich benoten und die Abschlüsse letztendlich somit nicht vergleichbar wären, habe im Falle der Universität Hamburg die Fakultät für Wirtschafts-und Sozialwissenschaften den Eignungstest eingeführt. Übersteigt die Anzahl der Bewerber die verfügbaren Plätze für einen Studiengang, gibt es im Allgemeinen die Möglichkeit mit studienspezifischen Tests eine Auswahl zu treffen.

Da der Bachelorabschluss vielen Arbeitgebern heutzutage alleine oft nicht als berufsqualifizierender Abschluss ausreicht, streben viele Absolventen den Master zusätzlich an. Das erklärt auch in vielen Fällen den Überschuss an Bewerbern. Jede Fakultät darf dann selbst entscheiden, auf welche Art und Weise die Studenten ausgewählt werden sollen. Aufgrund dieser unterschiedlichen Auswahlverfahren gebe es jedoch an den Hochschulen zum Teil auch interne Verständigungsschwierigkeiten, sodass es vorkommt, dass falsche Informationen an Studenten herausgegeben werden.

Einem Mitarbeiter der Zulassungsstelle der Uni Hamburg zufolge sollte der Studierfähigkeitstest helfen, „die Auswahlkriterien objektivierbarer zu machen“. Doch besonders der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) kritisiert den Eignungstest: „Ein Test, der 97 Euro kostet und nur für die Uni Hamburg gilt, kann die Auswahlentscheidungen nicht verbessern und stellt die Gültigkeit des Bachelor-Abschlusses infrage“, so ein Mitglied des Vorstands.

(MR)

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