Die Abschaffung der Wehrpflicht könnte einen großen Ansturm auf die Unis bedeutenHörsaal statt Exerzierplatz: Ende der Wehrpflicht könnte Studentenschwemme hervorrufen. Gemen64 / PIXELIO
News | Studium
Mittwoch, 22. September 2010

Unis droht Überfüllung durch Aussetzung der Wehrpflicht

Die Pläne der Regierung, die Wehrpflicht auszusetzen, stellen viele Universitäten vor neue Probleme: die ohnehin schon knappen Studienplätze werden noch mehr zur Mangelware. Tausende Schulabgänger, die nun keinen Wehr- oder Zivildienst leisten müssen, könnten theoretisch gleich anfangen, zu studieren – wenn sie denn einen Studieplatz ergattern.

Konnten junge Männer in der Vergangenheit ohnehin relativ leicht der Wehrpflicht entkommen, indem sie sich ausgiebig mit den Ausnahmen des Wehrpflichtgesetzes auseinandersetzten und eine Heirat, Vaterschaft oder eine Karriere als Abgeordneter oder Priester vorschoben, soll schon im nächsten Jahr alles viel einfacher werden: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plant die Abschaffung der Wehrpflicht. Der Zeitpunkt ist jedoch für die Universitäten nicht gut gewählt. Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit strömen ab 2011 nach und nach tausende junge Menschen der doppelten Abiturjahrgänge an die Hochschulen und sprengen die Studienplatz-Kapazitäten. Der zusätzliche Schub an Schulabgängern könnte für die Universitäten ein größeres Problem werden.

Der Statistik-Fachmann Ulrich Meyer zu Hörste äußerte im Interview mit Spiegel Online seine Bedenken den Regierungsplänen gegenüber. Geschätzte 60.000 junge Männer würden den großen Berg an Studienanfängern zusätzlich erhöhen. Deshalb sei es vor allem ratsam, mit der Abschaffung der Wehrpflicht noch einige Jahre zu warten. Laut des Präsidenten der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann, kämen auf die Universitäten und Hochschulen Mehrkosten in Millionenhöhe zu, die erst einmal zu bewältigen wären. Darüber hinaus rechnen die Hochschulen mit erhöhter Konkurrenz unter den Studieninteressenten, da der Numerus Clausus sich vor allem danach richtet, wie viele Schulabgänger sich auf die begrenzten Studienplätze bewerben. Viele Studieninteressenten könnten so trotz guter Ergebnisse leer ausgehen.

Auch Lehrstellen sind betroffen

Zwar wären die Auswirkungen auf den Lehrstellenmarkt nicht so gravierend wie auf die Hochschulen, doch würde sich der Ansturm auf die Ausbildungsplätze ähnlich verstärken. Gerade in Bundesländern wie Bayern und Niedersachsen, die sich schon nächstes Jahr mit den Schulabgängern des Turbo-Abiturs, das nur 12 statt 13 Schuljahre verlangt, auseinandersetzen müssen, wären die Auswirkungen spürbar. Die Unternehmen hätten augenscheinlich eine größere Auswahl an Bewerbern, doch würden gerade Schulabgänger mit niedrigeren Schulabschlüssen das Nachsehen haben.

(ED)

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