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Dienstag, 2. November 2010

Dauerpraktikant mit Bachelorabschluss

In Deutschland brauchen Studenten drei bis vier Jahre, um ein Studium als Bachelor abzuschließen. Nach dieser Zeit gehen die meisten einen der zwei Wege, die sich ihnen bieten: Entweder hängen die Absolventen noch einen Master hinten dran – oder sie steigen einfach in die Berufswelt ein. Wobei sich das „einfach“ eher als steinig und holprig darstellt, denn für viele beginnt ihre Karriere als Praktikant oder Trainee.

Vor genau sechs Jahren entschieden sich fünfzehn Unternehmen für eine gute Sache, indem sie die „Bachelor Welcome“ Erklärung unterschrieben. Diese sollte den Absolventen attraktive Einstiegschancen in die Berufswelt geben, die kommenden Führungskräfte qualifizieren und es den Absolventen so ermöglichen, bei entsprechender Leistung verantwortliche Tätigkeiten zu übernehmen. Von dieser Idee waren in den folgenden Jahren auch andere Unternehmen angetan und entschlossen sich, sich in der Erklärung zum Umsetzungsstand der Bologna-Reform an den Hochschulen, zu verewigen.

Was heute daraus geworden ist?

Was von den ehrenwerten Absichten der Unternehmen, die damals ihr Autogramm unter die Erklärung gesetzt haben, im Jahr 2010 noch übrig ist, haben nun Forscher der Saarland-Universität in der am Institut für Managementkompetenz unter dem Titel „Chancen für Bachelor: Eine Momentaufnahme“ veröffentlichten Studie untersucht.

Die Wissenschaftler haben auf einem Jobportal nach Stellenangebote mit dem Stichwort „Bachelor“ gesucht und erhielten 743 Ausschreibungen, die sich an Bachelorabsolventen ohne Berufserfahrung richteten. Davon waren lediglich 5 Prozent der Unternehmen, die einen Direkteinstieg anbieten und keine Berufserfahrung voraussetzen. Immerhin 9 Prozent haben eine Stelle als Trainee bereitgestellt, bei der sich die Beteiligten innerhalb der 12 bis 24 Monate in dem Unternehmen beweisen müssen, um nach dieser vorgegebenen Zeit eventuell eine Führungsposition zu ergattern. Die erschreckende Zahl ist allerdings die der Praktikumsangebote. Ganze 86 Prozent von den 743 Ausschreibungen wollen ausschließlich Praktikanten einstellen. Der Gedanke und Wille dahinter ist der, dass die Unternehmen „ihre eigenen Bachelor ausbilden“, sagte Professor Christian Scholz, vom Institut für Managementkompetenz. Seiner Meinung nach sollten die Betriebe einfach mehr Vertrauen in die universitäre Ausbildung haben.

(LL)

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