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News | Hochschulen, Studium
Freitag, 19. November 2010

Abschlussarbeiten für Studierende gegen eine ordentliche Summe erhältlich

Warum sich den Kopf über Seminar- und Abschlussarbeiten zerbrechen und sich dadurch das Leben schwer machen, wenn es auch einfacher geht. Gegen ein nettes Sümmchen bekommen die Studenten ihre Seminararbeiten praktisch nach Hause geliefert. Universitäten fühlen sich in dieser Angelegenheit machtlos.

Studenten, die sich nicht zutrauen ihre Abschlussarbeit fertigzustellen, an Fäulnis leiden oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, ihre Arbeit selbst zu kreieren, wenden sich vermehrt an sogenannte „Ghostwriter“. Was in anderen Branchen nichts Unübliches ist, denkt man zum Beispiel an die literarischen Ergüsse mancher Promis, grenzt im Wissenschaftsbetrieb an Betrug.

Ghostwriting betreiben unzählige Agenturen, derer Aufgabe einzig darin besteht, gegen einen „netten“ Aufpreis wissenschaftliche Texte zu liefern. Ob es nur eine einfache Hausarbeit für ca. 100 Euro sein soll, oder eine Diplomarbeit für ca. 6.000 Euro, die Agentur erfüllt jeden Studentenwunsch. Sogar eine Doktorarbeit für „schlappe“ 50.000 Euro ist zu erwerben. Schließlich, darf jeder, wenn er nur das nötige Kleingeld mitbringt, in diesen Agenturen beliebig einkaufen.

Wer aber etwas knapp bei Kasse ist und preiswertere Anbieter sucht, könnte auch in seiner Universität fündig werden. Der Tagesspiegel berichtet von einem „Autor.Unbekannt“, der in der Humboldt-Universität seine Visitenkarten unauffällig auslegt. Im Prinzip macht er den Agenturen Konkurrenz, indem er ebenfalls Seminar- und Bacherlorarbeiten schreibt, dabei aber einen bedeutend kleineren Betrag dafür kassiert. Er selbst behauptet, dass er „im letzten Jahr locker zwanzig Arbeiten in allen möglichen Studiengängen geschrieben“ hat und dabei nie erwischt wurde und „dass er inzwischen gut von dem Job leben könnte“.

Nicht sehr gut damit leben, können die Universitäten. Um dagegen anzukämpfen hat die Humboldt-Universität eine Kommission gegründet, die gegen wissenschaftliches Fehlverhalten vorgehen soll.

(LL)

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