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Dienstag, 21. Dezember 2010

Erste europäische Gebärdensprach-Uni soll in Bad Kreuznach eröffnet werden

In Deutschland soll in 2 Jahren eine Universität für Taube und Hörende gegründet werden, an der bis zu 2.000 Studienplätze angeboten werden könnten. Bis dahin soll aber noch geklärt werden, ob ausreichend Geld dafür aufgebracht werden kann und ob überhaupt genug Gehörlose Interesse an solch einer Uni haben.

Die Gallaudet University in Washington D.C. hat es bereits vorgemacht – seit 136 Jahren gibt es dort Unterricht für schwerhörige und taube Studenten. Deutschland will auf diesem Gebiet nun nachziehen: In Bad Kreuznach soll ebenfalls eine Hochschule für Gehörlose entstehen.

Damit taube und hörende Studenten optimal betreut werden, sollen gehörlose Dozenten die Vorlesungen stets in der Deutschen Gebärdensprache halten. Ganz billig wird das gesamte Projekt daher auch nicht. Alles in allem werden 100 Millionen Euro benötigt, damit die Universität im Jahr 2013 aufgebaut ist und erste Studierende aufnehmen kann.

Um das Zusammenbringen der Spenden kümmert sich Dr. Ingo Barth, Vorsitzender der Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach e.V., die erst im Juni dieses Jahres gegründet wurde. Ingo Barth zählt zu den ersten Gehörlosen, der einen Doktortitel in Chemie erworben hat. „Mit dieser Universität können wir den Gehörlosen neue akademische und berufliche Chancen eröffnen“, berichtete er neulich. Geplant sei auch eine gymnasiale Oberstufe, „damit die tauben Schulabgänger und Fachabiturienten auch die allgemeine Hochschulreife erlangen können, um dann an der Gebärdensprach-Universität studieren zu können, so Dr. Barth zu deafservice.de.

Zunächst sollen sprach -und sozialwirtschaftliche sowie kulturwissenschaftliche Studiengängen angeboten werden, später sollte es auch möglich sein, Fächer wie Mathematik, Informatik, Politik und Naturwissenschaften zu studieren.

Von der Idee, Gehörlose ein Studium zu ermöglichen, waren auch der Landesbehindertenbeauftragte Ottmar Miles-Paul und der Staatssekretär im Kultusministerium, Michael Ebling, angetan. Jedoch seien sie der Ansicht, dass noch einige entscheidende Punkte wie z. B. die Zulassungsgenehmigung geklärt werden müssen. Ebling ist der Meinung, dass es bis zu 5 Jahren dauern könnte, die Genehmigung zu bekommen. Eine weitere Frage stellt sich auf – wie hoch der Bedarf an solcher Universität wäre?! Dies müsse, seiner Meinung nach, noch erfragt werden.

Dr. Ingo Barth ahnt, was auf ihn und die anderen zukommt. „Wir wissen, dass wir einen langen Atem zur Realisierung des Projekts benötigen, aber gleichermaßen sind wir überzeugt, dass die Idee nicht an Schwung verlieren wird – im Gegenteil – wir stehen in den Startlöchern.“

(LL)

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