Mann mit leeren HosentaschenUnkalkulierbare Kosten halten einige Abituirenten von einem Studium ab. Foto: Kreuznacher Zeitung / PIXELIO
News | Finanzen, Studium
Mittwoch, 27. April 2011

Armer Studi, reicher Azubi? Kriterien von Abiturienten pro und contra Studium

Eine Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, zeigt: Für rund 70% aller Studienberechtigten spielen die erwarteten Investitionskosten für die Aufnahme eines Studiums nur eine geringe bis gar keine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium. Aber was ist mit den restlichen 30%?

Untersucht wurden in einer repräsentativen Studie, durchgeführt von HIS, verschiedenste Aspekte, die zentral für Abiturienten zur Entscheidung pro oder contra Studienbeginn sind. Zu den untersuchten Kriterien zählten unter anderem die Einflüsse der künftig erwarteten Studienkosten, der angenommenen Bildungserträge sowie die Gründe und Motive für den Verzicht auf ein Hochschulstudium. Bei letzterem wurde zwischen den finanziellen und den nicht-finanziellen Aspekten nochmals differenziert. Auch das Kriterium der Studiengebühren, die als zusätzliche Kosten zu den allgemeinen finanziellen Belastungen definiert wurden, fand in der Umfrage Berücksichtigung. Im Zentrum der Studie jedoch stand vor allen Dingen die Frage, inwiefern die Aspekte Studienkosten und Bildungserträge Entscheidungskriterien für oder gegen die Aufnahme eines Hochschulstudiums für die Studienberechtigten sind.

Befragt wurden im Rahmen der Umfrage – jeweils ein halbes Jahr vor und ein halbes Jahr nach dem Abitur – 6.000 Studienberechtigte des Jahrgangs 2008. Weitere Quellen sind die von der HIS durchgeführte 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, der von HIS und der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz durchgeführte „Studienqualitätsmonitor“ sowie die HIS -Studienanfängerbefragung vom Wintersemester 2007/08.

Zentrales Ergebnis ist die Feststellung, dass für 1/3 der Befragten die bereits vor dem Schulabgang erwarteten Kosten grundlegend für eine Entscheidung gegen die Aufnahme eines Studiums waren. Weiter zeigte sich, dass vor allem Frauen und Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien die Furcht vor der großen finanziellen Belastung von einem Studium abhält. Der Einfluss der Studiengebühren auf die Aufnahme eines Studiums war dagegen weniger eindeutig: Lediglich 1% gab an, dass Studiengebühren der alleinige Grund für eine ablehnende Haltung gegenüber dem Studium sei. Die mittlerweile wieder in Teilen Deutschlands abgeschafften Studiengebühren begünstigen vor allem deswegen negative Befürchtungen, da sie zusätzliche Kosten für die Studierenden bedeuten.

Das liebe Geld

Der Grund, der sich als wichtigster für den Verzicht auf ein Studium herauskristallisierte, war derjenige, möglichst bald selbst den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Dies gaben rund 79% der Befragten an. Weitere finanziell-bedingte Gründe waren das Fehlen der notwendigen finanziellen Voraussetzungen, der Wunsch, keine Schulden zu machen sowie die Befürchtung, die erwarteten Ausgaben könnten das finanzielle Budget übersteigen, besonders im Fall der zusätzlich zu zahlenden Studiengebühren. Dagegen waren Gründe nicht finanzieller Art unter anderen: keine Notwenigkeit eines Studiums für das Berufsziel, der niedrige Praxisbezug des Studiums, die lange Dauer desselben, unübersichtliche Anforderungen des Studiums, lange Wartezeiten, die geringe Akzeptanz von Bachelor-Abschlüssen sowie das Fehlen eines passenden Angebots im näheren Umkreis.

Auf der Seite der Studienverzichter, die anführten, definitiv kein Studium aufnehmen zu wollen, ist festzuhalten, dass 76% angaben, der Mangel an finanziellen Mitteln spreche gegen die Aufnahme eines Studiums. 71% wollen Schulden vermeiden und 69% hindert die zusätzliche Belastung durch Studiengebühren, die ihre Mittel übersteigen, an dem Beginn eines Studiums.

Positive Bilanzierung durch das Bundesministerium

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung deutete die Studie optimistisch und legte den Fokus auf die geringe Anzahl derer, für die die finanzielle Belastung für die Studienwahl keine Rolle spielt. Die Zahl derjenigen, für die die finanziellen Kosten ausschlaggebend für das Nicht-Antreten eines Studiums waren, liegt jedoch bei immerhin noch 30%. Das Bundesministerium betonte dagegen die aus der Studie resultierende Erkenntnis, dass die jungen Menschen den Wert von Bildung und den Wert einer entsprechenden Investition in Wissen erkannt hätten, so die Stellungnahme Annette Schavans.

(KH)

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