Gürtel enger schnallenPraktikanten müssen den Gürtel enger schnallen, denn viele bekommen gar keine Entlohnung. Foto: Fionn Große / PIXELIO
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Donnerstag, 12. Mai 2011

Generation Praktikum : Kaum Chancen auf Festanstellung

Viele Praktikanten hoffen vor allen Dingen auf eines: Nützliche Erfahrungen zu sammeln, neues praktisches Wissen anzuhäufen und natürlich auf eine Chance zur Übernahme. Doch die Realität sieht meist anders aus. Nicht einmal jeder Vierte erhält nach der Praktikumsphase ein Angebot für ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Das Klischee des Kaffeekochenden und Botengänge erledigenden Praktikanten ist längst überholt. Praktikanten leisten heutzutage für viele Unternehmen einen entscheidenden Beitrag und sind komplett in die Unternehmens- und Arbeitsstrukturen eingebunden. Aber lohnt sich ein Praktikum für die Praktis tatsächlich? Glaubt man der neuesten Studie „Generation Praktikum 2011“ des DGB und der Hans Böckler Stiftung, sind Praktika zumindest kein Sprungbrett in den festen Job. Nur in 22% gehören zu den Glücklichen, denen nach dem Praktikum eine Anstellung angeboten wird.

Befragt wurden in der Studie 674 Absolventen von vier deutschen Universitäten. Die Teilnehmer konnten einen Online-Fragebogen ausfüllen, in dem Fragen zum beruflichen Werdegang innerhalb eines Zeitraumes von dreieinhalb Jahren nach Studienabschluss beantwortet werden mussten. Das ernüchternde Ergebnis der Studie zeigt, dass Praktikanten größtenteils während ihrer Praktikumszeit ausgenutzt werden. Niedrige oder gar keine Bezahlung sowie geringe Chancen auf Übernahme gehören für die meisten Praktikanten zur bitteren Realität.

Gute Arbeit wird nicht mit Stellenangebot belohnt

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock ergriff entschieden Partei für die Absolventen. So betonte sie, dass vier von fünf Praktikanten in den Betrieben vollwertige Arbeit leisteten und drei von vier fest in die Arbeitsabläufe eingeplant seien. Es könne und dürfe nicht sein, dass qualifizierte Studienabsolventen als Praktikanten ausgebeutet werden. Weiter forderte sie die Unternehmen dazu auf, statt zahlreicher Praktika mehr reguläre Arbeitsverhältnisse sowie Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anzubieten.

Aus der Studie wird ersichtlich, dass eine beachtliche Anzahl der Hochschulabsolventen nach der Studienzeit ein Praktikum beginnen (28%). Immerhin 27% finden dagegen nach dem Studium eine befristete Arbeit. Eine unbefristete Arbeitsstelle erhalten lediglich 19% der Absolventen, 11% machen sich nach dem Studium selbstständig oder arbeiten freiberuflich.

Ein Großteil der Praktis wird von den Eltern finanziert

Speziell die Frage nach der Entlohnung von Praktikanten stößt beim DGB bitter auf, denn obwohl die meisten Praktikanten vergleichbare Arbeiten wie ihre festangestellten Kollegen verrichten, bekommen nur wenige eine angemessene Entlohnung. Gar 40% der billigen Arbeitskräfte erhalten keinen müden Cent für ihre Arbeit. Kaum verwunderlich also, dass die Praktikanten auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Diese kommt in 56% der Fälle von den Eltern, in 43% finanzieren sich die Praktis durch einen zusätzlichen Nebenjob oder durch Gespartes. 22% erhalten Sozialleistungen um über die Runden zu kommen.

Auf Grund der Ergebnisse der HBS- Studie fordert der DGB nun eine Mindestvergütung für Praktikanten von 300 € und eine Begrenzung der Praktikumsdauer auf drei Monate. Das Praktikum solle immerhin keine vorgelagerte Probezeit sein und nicht ausschließlich aus eigener Tasche bzw. aus dem Portemonnaie der Eltern und des Staats finanziert werden müssen. Darüber hinaus solle auch ein Praktikum stärker als Lern- und nicht als Arbeitsverhältnis definiert werden, so Sehrbrock. Praktika sollten nach Auffassung des DGB im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert werden und die Praktikanten sollen strukturierte Praktikumspläne mit Lerninhalten und –zielen erhalten.

(KH)

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