StudentenBachelorstudenten investieren nur drei Stunden täglich in ihr Studium. Foto: Barney O´Fair / PIXELIO
News | Studium
Mittwoch, 29. Juni 2011

Bachelorstudenten investieren im Schnitt täglich nur drei Stunden in ihr Studium

Von wegen Überlastung: Eine neuartige Zeitbudget-Erhebung per Online-Tagebuch am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung in Hamburg räumt auf mit dem Klischee des überarbeiteten Bachelorstudenten. Wie die Studie ergab, wenden die Studenten durchschnittlich nur drei Stunden pro Tag für ihr Studium auf.

In einer weltweit einzigartigen Studie wurde per Online-Tagebuch eine Zeitbudget-Erhebung erstellt. Fünf Monate lang wurden 403 Probanden aus 14 geistes-, sozial-, natur-, ingenieur- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen aufgefordert, ihr Verhalten zu protokollieren. Das Ergebnis ist verblüffend: Statt der 40-Stunden-Woche, welche als Zielvorgabe des deutschen Bologna-Prozesses genannt wurde, sondern ein Tagespensum von drei Stunden Arbeitsaufwand wurde in der empirischen Studie des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) an der Universität Hamburg gemessen. Dies bedeutet, dass die Bachelorstudenten fast die Hälfte weniger Zeit in ihr Studium investieren, als anvisiert. Professor Rolf Schulmeister vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung, Leiter der Projekts „Zeitatlas“, bestätigt gegenüber Welt Online: „Im Durchschnitt sind es nur 23 Stunden in der Woche.“ Man sei von diesem Ergebnis selbst überrascht.

Die Vorstellung der Bologna-Verantwortlichen sah eine Einteilung in jeweils ein Drittel Studium, privaten Leben und Schlafen vor. Offensichtlich geben die Studenten ihrer Freizeit aber weit mehr Raum als angenommen: Der Studie zufolge setzen die Bachelorstudenten im Schnitt zwischen 2,5 bis 3,8 Stunden am Tag für das Studieren ein, elf bis 14 Stunden für Privates und rund acht Stunden für den Schlaf. Dazu kommen wöchentlich etwa zwischen vier und 6,4 Stunden Arbeit in Studentenjobs. Dies soll nicht bedeuten, dass sich Studenten nicht ernsthaft überarbeitet und unter Zeitdruck gesetzt fühlen. Allerdings scheinen Selbsteinschätzung und Realität in diesem Fall weit auseinander zu klaffen.

Berücksichtigt wurden bei der Zeitbudget-Erhebung nicht nur die Anwesenheit in den Lehrveranstaltungen, sondern auch die Wegezeiten innerhalb der Uni, die Gesprächszeiten mit Kommilitonen, organisatorische Tätigkeiten wie der Einsatz im Kopierraum und gegebenenfalls die studentische Gremienarbeit. Die Kategorein des Online-Tagebuchs waren „offizielle Lehrveranstaltungen (Seminare, Vorlesungen, Übungen, Praktika)“, „Selbststudium (z. B. Vor-/Nachbereitung, Fachlektüre, Referate)“, „Mediengebrauch“ und ähnliches. Freizeitverhalten wurde lediglich als „private Zeit“ angegeben.

(SW)

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