Ein Lehrraumgebäude für Chemie und Physik an Humboldt Universität zu Berlin. Foto: HU-BerlinEin Lehrraumgebäude für Chemie und Physik an Humboldt Universität zu Berlin. Foto: HU-Berlin
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Freitag, 9. September 2011

Opposition kritisiert das Projekt „Deutschland-Stipendium“

Ein Jahr nach dem Beginn des Projektes „Deutschland-Stipendium“ zur Unterstützung von leistungsstarken Studenten steht das Programm heftig in der Kritik. Bislang wurde mehr Geld für die Bewerbung des Prokjektes ausgegeben als für die eigentliche Förderung der Stipendiaten. Im Ministerium der Bildungsministerin Shavan spricht man von normalen Anlaufkosten, die nötig gewesen sind, um das Projekt bekannt zu machen und Geldgeber gewinnen zu können.

Eigentlich sollten Studenten, die besonders hohe Leistungen während des Studiums erbringen, durch das Projekt „Deutschland-Stipendium“ ab dem Sommersemester 2011 mit 300 Euro monatlich finanziell unterstützt werden. Realisiert wird das Ganze zur Hälfte aus Geldern vom Bund und zum anderen durch private Geldgeber wie Firmen und Stiftungen. Bundesbildungsministerin Annette Shavan hatte geplant, dass bis zum Jahresende rund 10.000 Studenten finanzielle Unterstützung durch das Programm bekommen sollten. Dadurch sollte eine „neue Stipendienkultur“ entstehen, in der die Leistung der Studenten anerkannt wird, sagte Shavan erst im Februar diesen Jahres beim Startschuss für das neue Stipendienprogramm.

Immense Kosten für die Werbung

Aus einer Stellungnahme des Bundesministeriums geht jedoch hervor, dass seit Beginn des Programms mehr Geld für Werbung, Schulungen, Internetportale und Verwaltungskosten ausgegeben wurden als für die tatsächliche Unterstützung besonders leistungsfähiger Studenten. Das wird deutlich bei der Gegenüberstellung der immensen Ausgaben für die Bewerbung des Projektes und dem Betrag, der bisher an die Stipendiaten ausgezahlt wurde. So wurden rund 2,7 Millionen Euro in Werbung investiert und nur 1,4 Millionen Euro in die Förderung begabter Studenten. Es wurde also fast doppelt so viel Geld für Werbung ausgegeben, als für die Förderung der Studenten. Dem Abgeordneten Hagemann zufolge, haben Hochschulen in vielen Regionen Probleme, den geforderten Betrag für die Stipendien einzuwerben. Angesichts dieser Tatsachen könne man das Projekt laut Hagemann nur als Flop bezeichnen.

Das Ministerium wehrt sich gegen die Kritik

Annette Shavan verteidigt hingegen das Stipendienprogramm im Bundestag und hält es für ein wichtiges und überfälliges Element der Bildungsfinanzierung. Bisher sei noch immer das für bestimmte Projekte bewilligte Geld am Jahresende auch ausgegeben worden. Shavan erhält auch Unterstützung vom bildungspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Patrick Meinhardt, der festhält, dass es zu diesem Zeitpunkt zu früh ist, von mangelnder Akzeptanz für das Stipendieprogramm zu sprechen. „Die SPD hat ein ideologisches Problem mit Spitzenförderung“, sagt Meinhardt.

Große Hoffung setzen die Befürworter des Projektes jetzt in das kurz bevorstehende Wintersemester, da erst dann viele Universitäten in das Programm einsteigen würden, sagt der Sprecher des Ministeriums, Robin Mishra. Demzufolge müsse die Stipendienkultur erst einmal aufgebaut werden. Die immensen Werbeausgaben seien unverzichtbar und essenziell, um das Programm in der Startphase bekannt zu machen und private Geldgeber zu gewinnen. Zukünftig werde das Geld dann hauptsächlich an die Stipendiaten fließen.

Viele Universitäten sind unzufrieden mit dem Programm

Gerade mal 18 von potenziellen 122 Stipendiaten bekommen derzeit an der Berliner Humboldt Universität, an der übrigens auch der Start des Programms festlich zelebriert wurde, Geld aus dem Projekt. Grund dafür sind fehlende private Geldgeber, sagt die HU Spendensammlerin Mariana Bultay. Es sei sehr schwierig und koste viel Aufwand, Kontakt zu den Firmen und Stiftungen herzustellen, die bereit sind, das Stipendienprgramm zu unterstützen. Der Zuschuss, den die Universitäten vom Ministerium bekommen, sei gerade für große Universitäten mit einer hohen Zahl an Stipendiaten zu gering, um beispielsweise eine Mitarbeiterstelle für die Gewinnung von Geldgebern davon finanzieren zu können.

Viele Universitäten, gerade im Norden des Landes, wollen zudem auch erst gar nicht am Programm teilnehmen, wie der Nachrichtensender NDR Info berichtet. Zu hoch sei der bürokratische Aufwand, verkündet der Kanzler der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

(TR)

2 Antworten auf Opposition kritisiert das Projekt „Deutschland-Stipendium“

  1. Jule sagt:

    Leider wird nicht erwähnt, dass die Gelder für das Stipendium aus den früheren Bafög-Boni kommen und dass die meisten Studenten das nicht einmal wissen, weil es niemandem mitgeteilt wird. Man studiert zügig und fleißig, weil man denkt, man müsse dann weniger Bafög zurückzahlen und niemand sagt einem, dass dies nur noch bis 31.12.2012 geht.

    Außerdem ist ein weiterer Kritikpunkt, dass dieses Stipendium wieder nur dazu führt, alle Studiengänge zu fördern, die einen wirtschaftlichen Wert haben. Studenten der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften und Lehramtsstudenten können das Stipendium also fast nicht bekommen.

    Das ist fürchterlich. Bildung sollte Selbstzweck sein und nicht Mittel zum Ziel.

  2. Theresa sagt:

    Liebe Jule,

    vielen Dank für Deine Ergänzung zum Thema „Deutschland-Stipendien“ und dessen Problematik in der Praxis. Deine Aspekte finden wir sehr interessant und freuen uns über weitere Kommentare. Das unterschätzte Potential der Geisteswissenschaften bei der Vergabe von Stipendien ist in jedem Fall ein Thema, welches näher beleuchtet werden sollte, da gerade das kritische Denken, die Flexibilität und vielfältige Orientierungsvermögen in unterschiedlichsten Bereichen von Geisteswissenschaftlern in der Zukunft immer stärker gefragt wird. Die Konzentration auf Fächer mit Wert für die Witschaft ist sicher nicht der richtige Weg.

    LG
    Theresa

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