Ein typisches Bild eines Campus-Alltags an deutschen Universitäten. Foto: Sebastian Bernhard / pixelio.deEin typisches Bild eines Campus-Alltags an deutschen Universitäten. Foto: Sebastian Bernhard / PIXELIO
News | Studium
Montag, 12. September 2011

Studentenvertreter an deutschen Universitäten: Gehören sie bald zur Vergangenheit?

Häufig wird die Arbeit in Gremien unter den Studenten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen als langweilig empfunden. Das Engagement in den einzelnen Fachschaften nimmt immer mehr ab und den Studenten ist es oftmals sogar egal, ob solche Fachschaften überhaupt noch existent sind. Dass man auf diese Art und Weise das Uni-Leben mitgestalten und auch verändern kann, erscheint hinsichtlich des großen Mangels an Studenten, die bereit sind in Fachschaften einzutreten, als ein eher unwichtiges Kriterium.

Immer weniger Studenten wollen sich aktiv in Fachschaften einbringen. Viele sehen die Arbeit als nicht besonders interessant an und deswegen lässt die Zahl an Interessenten an Studentenvertretung immer weiter nach. Viele sehen nicht das Potenzial an Mitspracherecht, welches sich aus einer Mitgliedschaft in der Studentenfachschaft ergibt. Tatsächlich können jedoch enorme Veränderungen hervorgerufen werden, die das Campus-Leben attraktiver machen. Gleichzeitig lernt man viele neue Leute kennen, in dem man zu einem festen Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Belange der Studenten wird. Aufgrund dessen trägt der Studenenvertreter auch große Verantwortung. Trotzdem zeigen immer weniger Studenten Interesse an den Fachschaften ihrer Universitäten.

Spiegel Online berichtet, dass von allen deutschen Hochschülern im Jahr 2010 nur circa drei Prozent in den Fachschaften ein Amt inne hatten. Diese Zahl geht aus einer Statistik des Studierendensurvey der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz hervor. Weiter wird deutlich, dass bei einem Drittel der Studenten kein Interesse an der Arbeit ihrer Mitstudenten in der Fachschaft besteht. An den deutschen Fachhochschulen fiel das Ergebnis noch extremer aus: So sagten 40 Prozent, dass es ihnen egal sei, welche Arbeit in den Fachschaften verrichtet wird. Wenn man das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr nun in Relation zum Jahr 1993 setzt, in dem lediglich jedem vierten die Arbeit von Studentenvertretern egal war, wird das fehlende Interesse für das Engagement von Fachschaften heut zutage besonders deutlich.

Goodbye Anonymität!

Gerade an den großen Universitäten in Deutschland leben die Studenten häufig für sich und es herrscht ein hohes Maß an Anonymität. Zu den Aufgaben einer Fachschaft gehört es unter anderem, Studentenpartys und Kennenlern-Treffen für die Erstsemester zu organisieren und Lösungen für jegliche Belange der Mitstudenten zu finden. Studentenvertreter sind außerdem beispielsweise auch für die Verwaltung und Sammlung von alten Klausuren zuständig, welche von den Studierenden ausgeliehen werden können, oder auch für ausländische Studenten, die Unterstützung bei der Beantragung eines Visums benötigen. Da bleibt es nicht aus, auf viele neue nette Menschen zu stoßen. „Durch die Fachschaften findet man schnell eine nette Truppe. Außerdem kommt man aus der Anonymität der Massen-Uni heraus“, sagt Professor Ulrich Müller, der selbst viele Jahre in der Fachschaft Münster aktiv war und heute an der Fachhochschule Schmalkalden lehrt.

Angesichts dieser Möglichkeiten, positive Erfahrungen als Studentenvertreter sammeln zu können, erscheint es verwunderlich, dass das Interesse daran immer mehr sinkt und damit eine Möglichkeit verloren geht, als Student Dinge an der Hochschule verändern zu können. Über keinen anderen Weg kann in einem solchen Ausmaß Druck auf Professoren ausgeübt und tatsächlich was am Campus-Leben zugunsten der Studierenden geändert werden. Generell haben Studenten in Fachschaftsräten die Aufgabe, alle Studenten nach außen zu vertreten und Ansprechpartner für die verschiedensten Belange zu sein. Zustande kommt ein Fachschaftsrat durch eine einmal im Jahr stattfindende Wahl innerhalb der jeweiligen Fächer.

Engagement in Fachschaften lohnt sich

Für Professor Müller ist das wohl schlagendste Argument für ein Engagement in einer Fachschaft die Möglichkeit, in den Unialltag aktiv eingreifen zu können. „Wenn man nicht möchte, dass alles über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird, muss man sich in der Fachschaft engagieren“, so Müller gegenüber Spiegel Online. Studenten, welche sich intensiveren Kontakt zu den Professoren wünschen, sollten Müller zufolge allerdings nicht in eine Fachschaft eintreten. Durch den engeren Kontakt zu den Profs auf der einen Seite und die Aufgabe, die Interessen der Studenten zu vertreten, auf der anderen Seite können schnell Interessenkonflikte entstehen.

(TR)

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