Idyllisches Freiburg am AbendStudentenstadt Freiburg: Wohnungsnot bei Erstsemestern. Foto: Gerd Altmann / PIXELIO
News | Wohnen
Montag, 10. Oktober 2011

Wohnungsnot bei Semesterbeginn

Das neue Semester beginnt und damit auch der Kampf um verfügbare Zimmer. Tausende von Studierenden suchen nach einer Bleibe, aber in vielen deutschen Städten, wie beispielsweise in Freiburg oder Jena, können sich Anbieter von Wohnungen und Zimmern vor Interessenten kaum retten.

Ob nun Freiburg, Jena, Passau, München, Konstanz und noch viele mehr: Nur wenige Wochen vor Semesterbeginn ist in den Universitätsstädten kein Dach über dem Kopf mehr zu finden. Auf eine Wohnungsanzeige kommen oft mehr als 50 Bewerber. Die Studentenwerke bieten daher den Studierenden, die bislang noch keine Bleibe gefunden haben, Notunterkünfte an, bis sie ein verfügbares Zimmer gefunden haben. Für 8 Euro pro Nacht kann man beispielsweise in Freiburg in der Studentensiedlung am Seepark in einem der 60 Betten übernachten. Einige Studentinnen, die von der in Freiburg ansässigen Online Publikation „fudder“ befragt wurden, suchen bereits seit Wochen nach einer festen Bleibe und haben die Hoffnung inzwischen schon fast aufgegeben. Lucile Marinelli (21), eine der befragten Studentinnen, sucht seit fünf Wochen, aber „es ist zum Verzweifeln.“

Auch in Konstanz greift die Wohnungsnot der Studierenden um sich. Dort haben sich mittlerweile Autoritäten der Stadt zu einer ungewöhnlichen Aktion zusammengeschlossen und sich in einem offenen Brief an die Bevölkerung gewendet um diese zu bitten, freie Zimmer und Wohnungen an Studienanfänger zu vermieten.

Viele Makler in Freiburg profitieren von der Wohnungsnot der zahlreichen Studierenden, ohne sich dazu jedoch äußern zu wollen. Eine Maklerin, die anonym bleiben möchte, bestätigt, dass der Andrang zur Zeit enorm sei. Gerade veröffentlichte Wohnungen seien schon kurz danach wieder sofort vergeben.

In Jena kritisiert man die nicht vorhandene Kommunikationsbereitschaft der Stadt zum Thema „studentisches Wohnen“. Am ersten „WG-Gründungstreffen“ habe sich kein einziges Jenaer Wohnunternehmen beteiligt. Die Vorsitzende des Verbindungsgremiums zwischen Studentenrat und Stadt beklagt gegenüber der Thüringischen Landeszeitung, dass die Stadt ihrer Meinung nach die Grundauffassung vertritt, „wer nichts zum Wohnen findet, geht weg, kann hier eben nicht studieren. Ist eh alles voll.“

Wer in der Stadt nichts findet, weicht durchaus auch aufs Umland aus, jedoch stimmen hier die Takte der Nahverkehrsverbindungen nicht, wie es beispielsweise in der Hauptstadt Berlin der Fall ist. Es klemmt also hinten und vorne mit dem studentischen und sozialen Leben, meint Cindy Salzwedel, die Vorsitzende des Studierendenbeirates, aus Jena. Dabei werden zum nächsten Jahr aufgrund der Abi-Doppeljahrgänge und des Wegfalls der Wehrpflicht bundesweit 50.000 Immatrikulationen mehr erwartet, eine Problematik, die in vielen Bundesländern, wie beispielsweise Bayern, bereits jetzt schon gegenwärtig ist.

Das Thema studentisches Wohnen, die Mietpreise allgemein und auch die Rolle der Makler sollen unter anderem morgen bei einer Diskussionsrunde im Stadtmuseum abschließend zur Ausstellung „Wohnen in Jena“ debattiert werden.

(JS)

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