BlaulichtPolizeieinsatz vor Frankfurter Villa: 73 Hausbesetzer mussten festgenommen werden. Foto: Arno Bachert / PIXELIO
News | Studium, Wohnen
Montag, 24. Oktober 2011

Studenten in Frankfurt besetzen aus Protest leer stehendes Haus

Hohe Mieten und zu wenig bezahlbare Wohnungen: Um auf die schwierige Wohnungssituation aufmerksam zu machen, besetzten Studenten in Frankfurt eine leer stehende Villa.

Wie bereits Mitte Oktober berichtet, suchen tausende Studenten in vielen deutschen Städten nach einer Bleibe, finden aber entweder keine verfügbaren Zimmer oder können sich eine Wohnung schlicht und ergreifend nicht leisten.

Um ihrem Ärger über die Wohnungsnot in deutschen Großstädten Luft zu machen, besetzten Protestler in Frankfurt am vorletzten Donnerstag eine leer stehende Villa im Stadtteil Westend. Der Eigentümer des Hauses ist das Land Hessen. Die Hausbesetzer rollten Plakate aus und verteilten Flugblätter unter dem Motto „Schlaflos in Frankfurt“ auf der Straße. Schlafsäcke und Verpflegung hatten die Studenten mitgebracht, um sich häuslich einzurichten.

Beendet wurde die Aktion dann aber bereits wenige Stunden später durch die Polizei, welche die verbarrikadierte Haustür aufhebelte, das Haus stürmte und 73 Studenten festnahm. Der vorangegangenen Aufforderung, das Haus freiwillig zu räumen, wollten die Studenten der Goethe-Universität, die sich auf eine längere Besetzung eingestellt hatten, nicht nachkommen. Teilweise wurden Feuerwerkskörper gezündet und in zwei Fällen griff die Polizei sogar zum Schlagstock.

Auf dem Revier wurden die Studenten einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterzogen, durften dann jedoch gehen. Alle bekamen eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Auf ihrer Internetseite berichteten die Protestler zu den Umständen der Festnahme von „massiver Polizeigewalt und einer Vielzahl von Rechtsverstößen der Polizei“, während diese hingegen von „kleinen Rangeleien“ sprach, dabei aber auch den Einsatz von Schlagstöcken einräumte.

Der Versuch von Studenten, sich leer stehenden Wohnraum anzueignen, wird seit Jahren mit sinnloser Polizeigewalt beantwortet, so Asta-Sprecher Hannes Ahbe gegenüber der Frankfurter Neuen Presse. Da unter den Festgenommenen fünf Minderjährige waren, habe die Polizei gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit verstoßen, teilte der „Arbeitskreis kritischer Juristen“ dem Nachrichtenmagazin mit. Die Studenten behaupten außerdem, sie hätten das Gebäude freiwillig geräumt, hätte der Einsatzleiter frühzeitig vom Strafantrag des Landes berichtet. Die Vorwürfe wies Polizeisprecher Alexander Kießling zurück. Den Besetzern sei drei Mal angeboten worden, das Haus ohne strafrechtliche Konsequenzen zu verlassen.

Asta solidarisiert mit Protestierenden

Der Asta  der Goethe-Universität in Frankfurt kommentierte die Aktion der Studenten folgendermaßen: „Wer eine desolate Wohnraumsituation zu verantworten hat, muss sich nicht wundern, wenn Menschen sich nehmen, was ihnen zusteht.“ Selbst Uni-Präsident Werner Müller-Esterl richtete sich aus Verzweiflung über den fehlenden Wohnraum für die Studenten an die Frankfurter Bürger und appellierte dafür, preiswerten Wohnraum „unbürokratisch und kurzfristig“ zur Verfügung zu stellen, wie Welt Online berichtet.

Aufgrund der Aussetzung des Wehrdienstes und dem mittlerweile nur noch 12-jährigen Abitur gibt es in Deutschland derzeit eine größere Anzahl an Studenten. Allein die Goethe-Universität erreichte mit derzeit 41 000 Studenten ein neues Allzeithoch. Florian Muhs vom Asta findet daher den Appell des Uni-Präsidenten sinnlos und betont, dass in Frankfurt trotz eines Leerstandes von 2 Millionen Quadratmetern in Gebäuden immer noch  Studenten im Studierendenhaus des Astas übernachten müssen.

(JS)

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