News | Studium, Wohnen
Montag, 14. November 2011

Die Abschaffung der Wehrpflicht hat ungeahnte Auswirkungen auf die Wohnsituation von Studenten

Mit diesen Auswirkungen der Abschaffung der Wehrpflicht hat wohl keiner gerechnet: Die Wohnsituation der Studenten hat sich enorm verschärft. Da nun keine Pflicht mehr zum Armee- oder Zivildienst besteht, beginnen viele junge Menschen gleich nach Beendigung der Schule ein Studium. Das führt zu Rekordzahlen an den deutschen Hochschulen, die sich darüber durchaus freuen können, nur müssen die Studenten auch irgendwo in der Nähe ihres Studienortes untergebracht werden.

Durch die Abschaffung der Wehrpflicht werden die deutschen Universitäten geradezu überrannt. Viele, die nach dem Abitur eigentlich den Wehr- oder Zivildienst ableisten würden, beginnen nun schon ihr Studium. Nicht nur an den Universitäten wird es eng, auch was die Unterbringung angeht, gibt es allerlei Probleme. Die Verknappung des Wohnraumes treibt inzwischen schon fast skurrile Blüten: An den Standorten werden äußerst ungewöhnliche Immobilien auf die Bedürfnisse der Studenten angepasst. So wurde in Frankfurt kurzerhand ein ehemaliges Polizeigebäude zum Wohnheim umfunktioniert. Das siebenstöckige Haus diente drei Jahrzehnte der Unterbringung von Verdächtigen. Heute können sich die Studenten über 48 neue Appartements freuen.

Kummer-Immobilien als Wohnheime

Die Städte sind zum Handeln gezwungen, um ihre Hochschulen attraktiv zu halten und den Studenten ausreichend Wohnunterkünfte zu schaffen. Daher werden so genannte Kummer-Immobilien, also Objekte, die sich aus verschiedensten Gründen nicht vermieten lassen und nun seit langem leer stehen, vermehrt zu Wohnheimen umgebaut. Betrachtet man die Zahlen, kommen auf mehr als 2,2 Millionen Studenten gerade einmal 220.000 Wohnheime – eindeutig zu wenig. Die Wohnheime sind allerdings oft das Einzige, was sich Studenten finanziell leisten können, einmal abgesehen von einer Unterbringung bei den eigenen Eltern. Wohnungen sind besonders in den großen Städten unerschwinglich und selbst die so genannte Studenten-WG zählt mancherorts längst nicht mehr in die Kategorie günstiges Wohnen.

Vorteil: Die Gebäude werden wieder sinnvoll genutzt

Der Situation kann man allerdings auch etwas Gutes abgewinnen: Viele vom Verfall bedrohte Gebäude erhalten durch die Wohnungsknappheit bei den Studenten eine neue Chance. In Siegen wurde unlängst ein Obdachlosenwohnheim umgebaut, das nächste Projekt – ein altes Krankenhaus – wird zeitnah in Angriff genommen. In Frankfurt soll nach dem erfolgreichen Umbau des Polizeireviers nunmehr ein Gefängnis in ein attraktives Wohnheim umgewandelt werden, in Kassel bevölkern die Studenten ein früheres Elektrizitätswerk. Hier ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten zur Nutzung von ausgedienten Gebäuden.

Die Kosten müssen allerdings im Rahmen bleiben. Deshalb wird sich in der Regel für den Umbau eines alten Gebäudes entschieden. Dieser ist finanziell weit weniger aufwendig als ein Neubau. Schließlich soll mit den Studenten kein Gewinn erzielt werden, sondern adäquater Wohnraum für junge Menschen geboten werden.

(SW)

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