Das Institut für Pharmazie an der Leipziger Uni wird bald geschlossenIn Leipzig kann man bald kein Pharmaziestudium mehr aufnehmen. Foto: Andrea Damm / PIXELIO
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Mittwoch, 4. Januar 2012

Leipziger Studenten protestieren gegen Institutsschließung

Die Pläne zur Schließung des Instituts für Pharmazie an der Leipziger Uni stoßen auf wenig Gegenliebe: Rund 200 Studenten demonstrierten am 14. Dezember 2011 vor dem Rektorat dagegen. Bis zum Jahr 2014 sollen 21 Stellen gestrichen werden, im kommenden Herbst werden schon keine Studenten mehr in Leipzig immatrikuliert. Wo die Reise damit hingeht, dürfte klar sein: Das Institut ist dem Untergang geweiht.

Das Pharmaziestudium wird an der Leipziger Universität ab Herbst 2012 für Studienanfänger nicht mehr möglich sein: Nachdem schon Pläne für die Streichung etlicher Stellen beschlossen sind, wird nun bekannt, dass auch bald keine Studenten mehr immatrikuliert werden. Dagegen gingen im Dezember rund 200 Studenten auf die Straße.

Warum ausgerechnet das Leipziger Institut geschlossen werden soll, ist vielen unverständlich – die Quote der Absolventen liegt bei 90 Prozent, alle fünf Professorenstellen sind seit kurzem besetzt. Eine derartige Entscheidung angesichts dieser Tatsachen mutet als widersinnig an. Das Dekanat des Instituts der zuständigen Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie übte Kritik an den Auswahlkriterien für die geplante Streichung, denn die Chancen der Studenten auf dem Arbeitsmarkt blieben völlig unberücksichtigt, besonders der Beruf des Apothekers ist weiterhin sehr gefragt. Keine andere Einrichtung in Sachsen widmet sich der Ausbildung von Pharmazeuten als Nachwuchskräfte für Apotheken, Krankenhäuser, Arzneimittelforschung und der Gesundheitsverwaltung so intensiv wie das Institut in Leipzig. Die Entscheidung der Universität beeinflusst daher die Struktur der Arzneimittelversorgung und –Sicherheit im Freistaat maßgeblich.

Rektorin Beate Schücking hatte sich im Dezember dann vor ihrem Dienstsitz in der Ritterstraße mit lautstarken Protesten der Studenten auseinander zu setzen – erst eine halbe Stunde vor der Senatssitzung hatten die Pharmaziestudenten von der Schließung ihres Institutes erfahren. Schücking startete kurz vor einer Pressekonferenz, in der sie die Pläne zur Kürzung unter dem Motto „Profilbildung unter Stellenreduktions-Zwang“ den Medien vorstellte, einen Versuch, die aufgebrachten Studenten zu beruhigen: Die Entscheidung werde nicht von ihr getroffen, verantwortlich seien die Sparpläne des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Diese sehen vor, dass in den nächsten drei Jahren an der Universität 48 Stellen abgebaut werden, 170 sollen es gar bis 2020 sein. Auf diese Fakten reagierte die Menge fassungslos. „Jetzt stehen wir vor dem Nichts“, brachte es ein Demonstrant auf den Punkt.

Schücking bezeichnete die Schließung als „schmerzhaften Einschnitt“, verwies aber gleichzeitig auf die Schwäche des Standorts Leipzig: Fünf Professoren in Leipzig stehen 15 Professoren im gleichen Studiengang an der Uni Halle gegenüber. Die jetzigen Studenten werden ihr Studium in Leipzig abschließen können, dafür will sich Schücking persönlich einsetzen. Wie das im Einzelnen gehen soll, darüber gab sie keine Auskunft.

(SW)

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