In Mainz gibt es Alternativen zum SezierkursIn Mainz müssen Biologie-Studenten nicht zwingend sezieren. Foto: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
News | Studium
Montag, 9. Januar 2012

Uni Mainz: Sezieren von Tieren keine Pflicht mehr

Biologie-Studenten an der Uni Mainz können aufatmen: Das Sezieren von Tieren ist keine Pflicht mehr. Dafür bietet die Hochschule Alternativen an, die ohne Tiere auskommen. Mainz ist damit die erste Universität in Deutschland, welche die Sezierpflicht im Studiengang Biologie abgeschafft hat.

Den Biologiestunden in Mainz bleibt das Sezieren von Tieren wohl erspart: Die Universität kann seinen Studenten Alternativen bieten, bei denen das Arbeiten am toten Tier umgangen werden kann. Allerdings hat Jürgen Markl als Leiter des Zoologie-Instituts der Uni Mainz gleich eine Einschränkung parat. „Die Abschaffung gilt aber nur für den Sezierkurs im Sommersemester, den Studenten in ihrem ersten oder zweiten Fachsemester verpflichtend absolvieren müssen“, gibt er gegenüber der Zeit online an. Wer im Wintersemester einen Sezierkurs absolviert, muss auch noch das Zerschneiden der toten Tiere durchstehen. Ab dem kommenden Sommersemester dann werden den Studenten Präparate und andere Hilfsmittel zur Verfügung gestellt.

Die Hochschulgruppe Campus Grün hatte sich seit dem Juni 2011 für die Abschaffung der Sezierpflicht eingesetzt. Dafür wurden etwa 2.500 Unterschriften gesammelt und beim Studienparlament ein entsprechender Antrag eingereicht. Ins Rollen brachte die ganze Aktion ein Student der Biologie, der Mitglied von Campus Grün war und nicht sezieren wollte. Als Konsequenz wechselte er die Uni. Das habe in der Hochschulgruppe nachdenklich gemacht. Fünf bis zehn Anrufe registriert die Tierschutz AG von Studenten, die nicht sezieren möchten, in jedem Semester. Die Teilnahme an dem jeweiligen Kurs ist aber für das Erreichen der erforderlichen Punkte Pflicht.

Sicher gab es das eine oder andere Hintertürchen an anderen Universitäten für Studenten, die eine Sezierung partout ablehnten, die jetzige Regelung sei allerdings wesentlich besser, findet Markl. Vermutet wird, dass nur eine Minderheit von Veganern und Vegetariern das Alternativprogramm wählt, die Mehrheit der Studenten wird nach wie vor Frösche, Mäuse und Würmer sezieren. Ihre Kommilitonen dagegen werden anhand von Videomaterial, Ganzkörper-Dauerpräparaten und mikroskopisch dünnen Gewebequerschnitten die Grundlagen der Biologie vermittelt bekommen. Die Teilnahme am jeweiligen Kursprogramm wird auf dem Abschlusszeugnis vermerkt. Das sei vor allem für die zukünftigen Arbeitgeber wichtig, die schließlich wissen möchten, was ihre Arbeitnehmer im Studium gelernt haben. Über die Folgen einer Teilnahme am Alternativprogramm werden die Studenten im Vorfeld umfassend aufgeklärt.

Mit der Entscheidung gegen das Sezieren fallen einige Sparten der Biologie als Schwerpunktlegung für die angehenden Biologen weg, denn das Sezieren kommt in fast allen Bereichen vor. Auch die populäre Molekular- und Zellbiologie ist davon betroffen. Möchte man gar nicht mit tierischem Material arbeiten, sollte man sich fragen, ob Biologie überhaupt das richtige Studienfach ist. Dass die Studenten ihre Entscheidung aus einer Laune heraustreffen, wird ausgeschlossen, die meisten wissen bereits zu Beginn ihres Studiums, in welchem Bereich sie später einmal tätig sein wollen. Steht Botaniker als Traumberuf fest, ist es nicht notwendig, eine Maus zu sezieren.

Für Dietrich Nies als Beiratsmitglied des Verbandes deutscher Biologen (VBiO) und Sprecher der Konferenz Biologischer Fachbereiche (KFB) ist es völlig unverständlich, dass Tierversuchsgegner ausgerechnet das Sezieren von Tieren im Biologiestudium kritisieren. Hier werden relativ wenige Tiere eingesetzt. Campus Grün jedoch will das „unnötige Sterben ganz von der Uni verbannen“: Der Sinn von Tierversuchen soll nach ihrer Meinung fortlaufend hinterfragt werden. Bislang geschehe das nicht genug.

(SW)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *