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Mittwoch, 7. März 2012

Bologna-Reform – was hat sie gebracht?

Schon 1999 wurde die Bologna-Reform von 29 Bildungsministern Europas unterzeichnet. Ziel der Reform: Die Hochschulstandards in ganz Europa sollten verbessert und vereinheitlicht werden, und zwar bis zum Jahr 2010. Heute – weit mehr als zehn Jahre nach Verabschiedung der Reform – wird es Zeit, einen Blick auf die Ergebnisse zu werfen, die nicht von allen Seiten positiv bewertet werden.

Was hat Bologna bisher gebracht? Diese Frage kann man sich heute, über 10 Jahre nach der Reform des Hochschulbildungswesens, getrost stellen. Wurden die hehren Ziele – Vereinheitlichung der Hochschulstandards, Verbesserung der Studienbedingungen u.a. – erreicht? Ein Resüme:

Vereinheitlichung des Studiums durch Credit Points

So genannte Credit Points (CP) sollten laut der Bologna-Reform von Studenten gesammelt werden. Sie sollten eine einheitliche Messung des bisherigen Aufwands erlauben und beim Wechsel zu einer anderen Hochschule angerechnet werden. Jeder CP steht dabei für 25 – 30 Stunden Arbeit, wobei neben den Besuchen der Vorlesungen auch Hausarbeiten sowie Prüfungsvorbereitungen mit angerechnet werden sollten. Alles in allem eine gute Idee, zumal die CP sogar auf andere Hochschulen übertragen werden konnten.

Massiver Zeitdruck für Studenten

Studenten beklagen sich heute jedoch über die Bologna-Reform. Nur um Punkte zu sammeln, hetzen sie von einer Vorlesung zur nächsten. „Hauptsache Punkte gesammelt – Inhalt egal“, so das Motto vieler Studenten.

Dazu kommt die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Wurden in guten alten Diplom- und Magisterstudiengängen etwa zwei Prüfungen pro Semester geschrieben, wird heute jedes Modul mit einer eigenen Prüfung abgeschlossen. Alle während des Studiums erarbeiteten Noten fließen bereits mit in die Endnote ein. Nicht zuletzt wurde an manchen Unis der Magisterabschluss, der sonst vier Jahre in Anspruch nimmt, in einen Bachelor mit dreijähriger Laufzeit umgewandelt. Das sorgt für noch mehr Stress.

Studien nicht einig

Aktuelle Studien, die durchgeführt wurden, sind sich nicht ganz einig über die tatsächlichen Stressfaktoren. So wurde eine Untersuchung unter 403 Studenten über fünf Monate durchgeführt. Wöchentlicher Zeitaufwand fürs Studium: 23 Stunden. Die Bologna-Reform hatte 40 Stunden vorgesehen. Eine andere Studie, die aussagekräftiger ist, weil mehr Studenten befragt wurden, ermittelte einen wöchentlichen Zeitaufwand von 36 Stunden. Was allerdings generell nicht berücksichtigt wurde, sind die Zeiten für Nebenjobs, für unbezahlte Praktika und Co.

(SW)

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