MathematikDie Studenten fühlten sich auf die Prüfung nicht richtig vorbereitet. Foto: Maren Beßler/ PIXELIO
News | Studium
Montag, 7. Mai 2012

Köln: Proteste nach Matheklausur

An der Uni Köln haben nur 22 von 374 Lehramtsstudenten beim ersten Anlauf eine Matheklausur bestanden. Die Schuld gaben sie  ihrer Professorin und protestierten.

Durch eine Klausur durchzufallen kann jedem passieren, üblicherweise gehören zu den Unglücklichen jedoch nicht mehr als ein etwa ein Drittel eines Kurses. Umso ungewöhnlicher ist das Ergebnis einer Matheklausur an der Uni Köln. Nur 22 von 374 Lehramtsstudenten bestanden die Prüfung – das entspricht einer Durchfallquote von 94 Prozent. Nicht bestanden hätten die Prüflinge, glaubt man der Dozentin, die sich gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“ äußerte, weil sie einfach zu schlecht gewesen seien und nicht ausreichend gelernt hätten, außerdem weil 69 von ihnen gar nicht erst zur Klausur angetreten waren. „Das ist bei weitem die schwächste Generation, die ich bisher hatte“, so die Gastprofessorin.

Das sehen die betroffenen Studenten anders. Gegenüber Spiegel Online berichteten sie, die Klausur sei viel zu schwer gewesen, man hatte „auf unfaire Art“ aussieben wollen. Schuld am katastrophalen Prüfungsergebnis sei die Dozentin, nicht die Studenten. Immer wieder habe sie die Kursteilnehmer niedergemacht, auf Nachfragen keine Antworten gegeben. Die Atmosphäre im Hörsaal sei sehr schlecht gewesen. Die Fachschaft berichtet dem Spiegel von einer Studentin, die die Dozentin per E-Mail um mehr konkrete Beispiele gebeten hatte. Daraufhin habe die Kursleiterin die Mail mit Namensnennung vorgelesen und sich über Rechtschreibfehler mokiert, sich zu den inhaltlichen Wünschen aber nicht geäußert.

Neben dem Protest der Studenten schalteten sich auch Eltern ein: Luise Morschel, selbst Ausbilderin von Referendaren und Mutter einer betroffenen Studentin, formulierte laut Spiegel Online gemeinsam mit ihrem Mann, einem Mathematiklehrer, einen offenen Brief ans nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium. Die Dozentin habe es didaktisch und methodisch nicht verstanden, den Lernstoff rüberzubringen, bei einer derart hohen Durchfallquote sei es deshalb selbstverständlich, dass die Klausur nicht angerechnet werden könne.

Die mathedidaktische Fakultät der Uni Köln bemüht sich währenddessen, die Proteste abzuschwächen. In einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme erklären die Fakultätsvertreter, die Universität würde auch auf öffentlichen Druck die Anforderungen nicht senken können. Eine hohe Abbrecherquote sowie eine große Durchfallquote bei der Erstklausur zu Anfängerveranstaltungen seien in der Mathematik üblich, wenn auch normalerweise nicht ganz so hoch wie im aktuellen Fall. Das gäbe den Studierenden die Möglichkeit, noch einmal über die Wahl ihres Studienfachs nachzudenken und sich gegebenenfalls eine „jahrelange Überforderung mit unsicherem Ausgang“ zu ersparen.

(Redaktion)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *