FlugzeugSoziale Ungleichheit wirkt sich auch auf die Auslandsmobilität der Studierenden aus und damit auf ihr Bestehen am Arbeitsmarkt. Häufig gehen Studenten aus einkommensschwachen Familien nicht ins Ausland. Foto: Klaus Serek / PIXELIO
News | Ausland
Dienstag, 22. Mai 2012

WZB-Studie: Arbeiterkinder studieren seltener im Ausland

Soziale Ungleichheit wirkt sich verstärkt auf die Auslandsmobilität von Studierenden aus. So zeigt eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB): Die Zahl der Nicht-Akademikerkinder, die sich einen Auslandsaufenthalt im Studium leisten können, sinkt immer weiter.

Kinder von Akademikern entscheiden sich häufiger für einen Auslandsaufenthalt während des Studiums als Studierende, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Das geht aus einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) hervor. In den vergangenen Jahren hat diese Diskrepanz sogar zugenommen. So lag der Anteil der ins Ausland gehenden Studierenden unter den Akademikerkindern 1997, also vor den Bologna-Reformen, bei 14,6 Prozent, der Anteil unter Nicht-Akademikerkindern betrug 11,2 Prozent. Im Jahr 2006 hat sich der Vorsprung der Akademikerkinder auf fast sechs Prozentpunkte erhöht: Während ihre Auslandsquote auf immer noch bescheidene 16 Prozent anstieg, zeigten die Nicht-Akademikerkinder jetzt mit zehn Prozent sogar weniger Mobilität als noch 1997.

„Die Akteure der deutschen Bildungspolitik unterschreiben zwar die Bologna-Forderungen nach erhöhter und sozial durchlässigerer Mobilität, die Umsetzung hinkt der Rhetorik aber oft hinterher“, folgert WZB-Forscherin Claudia Finger. So gebe es zwar seit 2001 die Möglichkeit, BAföG auch im Ausland zu erhalten, ein großer Nachteil sei jedoch die nach wie vor schlechte grenzübergreifende Verzahnung von Studienverläufen, die das Studium oft verlängert und so die Kosten für den Einzelnen erhöht. Auch die Höhe einiger Stipendien, insbesondere im ERASMUS-Programm, sei zu niedrig. Bildungssoziologin Finger empfiehlt außerdem, bereits im Schulalter längere Auslandsaufenthalte zu fördern. Dies erhöhe nachweislich die Reiselust während des Studiums.

Die WZB-Forscherin hat in ihrer Masterarbeit an der FU Berlin, für die sie den Preis der Gesellschaft für Hochschulforschung 2012 erhalten hat, bereits bekannte Erkenntnisse zur studentischen Mobilität im Bologna-Prozess erstmals mit der sozialen Frage verknüpft. Als Eckdaten vor und nach Bologna hatte sie dazu die Daten der 15. und 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus den Jahren 1997 und 2006 herangezogen.

Weitere Informationen unter: www.auslandssemester.net und www.auswandern-info.com

(Redaktion)

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