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Montag, 9. Juli 2012

Studieren trotz Behinderung

Acht Prozent der Studierenden in Deutschland haben eine Behinderung oder chronische Krankheit. Bei den Meisten von ihnen ist das auf den ersten Blick aber nicht erkennbar und sie kämpfen sich durch den harten Unialltag.

An einer Online-Umfrage im Auftrag des Deutschen Studentenwerks haben 15.000 Studierende mit Beeinträchtigungen teilgenommen. Das Ergebnis der Studie: Acht Prozent der Studenten in Deutschland haben eine Behinderung oder chronische Krankheit. Diese Beeinträchtigungen sind auf Anhieb nicht immer erkennbar. Die Mehrzahl der beeinträchtigten Studenten bleibt gewollt unerkannt. Vor allen Dingen Studierende mit psychischen und chronisch-somatischen Erkrankungen und Legasthenie geben ihre Krankheit nicht öffentlich zu erkennen.

Aus der Studie wird ersichtlich, dass die angehenden Akademiker mit nicht-sichtbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen oft auf Nachteilsausgleiche im Studium oder bei Prüfungen verzichten. Dabei stehen ihnen diese sogar rechtlich zu.

Die Gründe für die nicht in Anspruch genommenen Nachteilsausgleiche sind unterschiedlich. Viele der Erkrankten glauben, nicht anspruchsberechtigt zu sein. Andere wiederum wollen nicht, dass ihre Behinderung oder chronische Krankheit bekannt wird oder lehnen eine „Sonderbehandlung“ ab. Die Beratungsangebote werden folglich so gut wie nicht genutzt.

Der Präsident des Deutschen Studentenwerks(DSW) Prof. Dr. Dieter Timmermann ist der Auffassung, dass viele Studenten, deren Erkrankung auf den ersten Blick nicht zu sehen ist, mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Er gibt an, dass es ein Tabu an deutschen Hochschulen zu sein scheint, mit nichtsichtbarer Behinderung oder chronischer Krankheit zu studieren. Timmermann setzt sich deshalb für einen Ausbau der Beratungsstellen von Hochschulen und Studentenwerken ein. Desweiteren fordert er eine Flexibilisierung der Studien- und Prüfungsordnungen.

Laut DSW-Präsident müsse man allen Studierenden mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen gerecht werden. Sie müssten dazu ermutigt werden, Beratungsangebote und rechtliche Nachteilsausgleiche besser zu nutzen. Und auch bei den Lehrenden und Verwaltungsbeschäftigten muss sich ein deutlich höheres Maß an Sensibilität und Aufmerksamkeit entwickeln, um den bundesweit rund 180.000 beeinträchtigten Studenten und deren Bedürfnisse gerecht zu werden. Sie sollen besser erreicht und individuell unterstützt werden.

(Redaktion)

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