PsychopharmakaDer hohe Leistungsdruck im Studium lässt viele Studenten zu Psychopharmaka greifen, um ihr Leistungsvermögen zu steigern. Foto: Jetti Kuhlemann / PIXELIO
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Mittwoch, 11. Juli 2012

Stress im Studium: Studenten greifen auf Psychopharmaka zurück

Deutsche Studenten stehen zunehmend unter Druck – Panikattacken und Nervosität sind die Folge, immer häufiger wird zu Pillen gegriffen. Ein Projekt soll Studenten helfen, den Stress zu bewältigen.

Die Zeit des entspannten Studiums scheinen vorbei zu sein: Stress und Leistungsdruck werden zu einem immer größeren Problem für Studenten. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) unter 1.000 Studierenden in Nordrhein-Westfalen ergibt: 75 Prozent der Befragten fühlen sich nervös und unruhig, 25 Prozent haben Phasen tiefster Verzweiflung, und mehr als jeder siebte leidet unter Panikattacken – bei den weiblichen Studierenden ist es sogar jede fünfte. Als Folge greift jeder zehnte der Befragten zu Psychopharmaka. Für die vergangenen vier Jahre errechnete die Krankenkasse hier einen starken Anstieg von 55 Prozent. Auch andere gefährliche Hilfsmittel sind zur Stressbewältigung hoch im Kurs: Noch eher als zu Tabletten greifen Studenten verstärkt zu Alkohol (15 Prozent) und Zigaretten (18 Prozent). 86 Prozent versuchen es zumindest auch mit Sport, wie die Krankenkasse mitteilte.

Verschärfte Studienbedingungen fördern Druck

Ursachen für den Griff zu Medikamenten und Rauschmitteln sind der Umfrage zufolge vor allem Prüfungsstress und Zeitdruck – mehr als die Hälfte der Studenten hat darunter zu leiden. Jeden Vierten bis jeden Dritten plagen außerdem Überforderung, Zukunftsangst und Geldsorgen. Der Druck geht der Umfrage zufolge zurück auf verschärfte Studienbedingungen durch das Bachelor- und Mastersystem: Mehr als die Hälfte der Befragten klagt über kürzere Studienzeiten und weniger Freizeit. Diese Ergebnisse werden auch von anderen Untersuchungen bestätigt: Eine Studie an der TU Chemnitz mit psychologischen Beratern von Studentenwerken aus 14 Bundesländern ergab, dass bei 83 Prozent der Studenten eine Tendenz zur Überlastung und psychischen Erschöpfung vorliege. Am HIS-Institut für Hochschulforschung stellte man darüber hinaus fest, dass jeder 20. Student Pillen schluckt um seine Leistung zu steigern und dem Uni-Stress besser standzuhalten. Besonders verbreitet sei das sogenannte Hirndoping unter Tiermedizinern (18 Prozent), Sportwissenschaftlern (14 Prozent) und Humanmedizinern (7 Prozent). Die Techniker Krankenkasse geht davon aus, dass sich die Lage durch die doppelten Abiturjahrgänge noch verschärfen wird und bietet Hilfe an: In Kooperation mit Universitäten in NRW startet sie die Kampagne „Stressless Academy“, im Rahmen derer den Studierenden Techniken und Maßnahmen vermittelt werden sollen, um Stress und seine Symptome richtig zu bewältigen.

(Redaktion)

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