IslamwissenschaftenWährend des Studiums setzen sich die Studenten kritischen und wissenschaftlich mit dem Koran auseinander. Foto: Salih Ucar / PIXELIO
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Mittwoch, 8. August 2012

Studiengang „Islamwissenschaften“ ist gefragt

Der 11. September 2001 war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Menschheit, besonders für die US-Amerikaner. Und doch hatte er auch gute Seiten. Seit 9/11 ist der Studiengang Islamwissenschaft, der vorher ein Schattendasein geführt hat, ein absoluter Renner.

Vor dem 11. September 2001 war Islamwissenschaft ein sogenanntes Nischenfach. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center wurden die Bildungsinstitute, die diesen Studiengang anbieten, förmlich überrannt. Das weiß die Islamwissenschaftlerin Johanna Pink von der Freien Universität Berlin zu berichten. Grund dafür waren die plötzlich aufkeimenden Debatten über den Islam. Das hat dem Ansehen der Religion und seinen Anhänger nicht unbedingt gut getan, dennoch wurde das Interesse an der Islamwissenschaft dadurch größer.

Islamwissenschaft kein theologischer Studiengang

Ein theologischer Studiengang ist die Islamwissenschaft nicht. Vielmehr verbirgt sich dahinter das Studium der Kultur, Sprache, Politik, Religion und Gesellschaft der islamischen beziehungsweise arabischen Welt. Dazu zählen die Türkei, der Iran sowie der gesamte Nahe und Mittlere Osten. Das Studienfach wird bundesweit angeboten.

Als persönliche Voraussetzungen sollte der zukünftige Student Interesse und eine gewisse Begabung für Sprachen mitbringen. Arabisch ist die erste gelernte Sprache im Studiengang. Weiterhin stehen türkisch oder persisch auf dem Lehrplan. Französisch und englisch werden bereits im Vorfeld gefordert. Die für das Studium relevanten Bücher sind in der Regel nicht in Deutsch geschrieben. Besonders das Arabisch wird vielen zum Verhängnis. Laut Pink ist unter den Erstsemestern die Abbruchquote sehr hoch. Fast die Hälfte der Studienanfänger bricht das Studium ab.

Die Islamwissenschaft bietet eine große Vielfalt

Nicht nur die Sprachen demonstrieren die Vielfalt des Studiums. Man kann sich von politischer, sprachlicher, kultureller oder philosophischer Seite der Materie annähern. Das macht für Islamwissenschaftsstudentin Josephine Gehlhar die Faszination aus. Zudem eröffnen sich für die Zukunft die zahlreiche Möglichkeiten. Gehlhar selbst will sich später der Forschung widmen. Ihre Mitstudenten interessieren sich eher für Wirtschaft und Politik.

Für Studenten aus religiöser Überzeugung ist die Islamwissenschaft allerdings eine Enttäuschung. Man setzt sich während des Studiums mit dem Islam und dem Koran wissenschaftlich und kritisch auseinander und betrachtet ihn nicht nur aus theologischer Perspektive.

Durch die Debatte um den Islam ergeben sich neue berufliche Perspektiven für Studenten. Islamwissenschaftler sehen sich einer steigenden Nachfrage gegenüber, sie finden in verschiedenen Bereichen ihr Einsatzgebiet. Ein klares Berufsbild gibt es allerdings nicht, sodass viel Eigeninitiative im Studium gefragt ist.

(Redaktion)

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