Ärger unter BWL-Professoren: Handelsblatt eckt mit Ranking an.Ärger unter BWL-Professoren: Handelsblatt eckt mit Ranking an. Foto: Niko Korte / PIXELIO
News | Hochschulen
Montag, 1. Oktober 2012

Professoren protestieren gegen BWL-Ranking

Ein kürzlich im Handelsblatt veröffentlichtes Ranking sorgt für Aufregung unter BWL-Professoren. Die Aussagekraft ist allerdings eingeschränkt, denn rund 300 BWL-Professoren protestieren gegen die Bewertung und beschweren sich in einem offenen Brief sogar wegen Manipulation.

Aus sämtlichen Rankings des Handelsblattes wollen die Hochschullehrer gestrichen werden, so die Forderung der Professoren. In ihrem offenen Brief üben sie Kritik an der „Eindimensionalität der Leistungsmessung“, deren Basis ausschließlich die Anzahl der Publikationen in Zeitschriften sei. Bereits kurz nach dem Aufruf hatten bereits 305 Professoren aus Gesamtdeutschland den Aufruf zum Boykott unterzeichnet. Unter anderem heißt es darin, dass eine indirekte Abwertung von Tätigkeiten außerhalb der Forschung durch das Ranking des Forschungsoutputs hervorgerufen würde.

Die Unterzeichner vertreten die Meinung, dass derartige Rankings kein geeignetes Instrument zu Messung der Qualität von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen seien. Im Gegenteil, sie würden der Wissenschaft sogar schaden. Die Forscher sehen sich durch die Rankings veranlasst, eher nach Rankingpunkten zu streben, anstatt ihrer Arbeit nach Relevanz und Interesse nachzugehen. Initiatoren des Briefes sind Margit Osterloh von der Uni Zürich und Professor Alfred Kieser aus Mannheim. Ihrer Ansicht nach nehme die Innovativität aufgrund der Rankings ab.

Handelsblatt hält an Bestenliste fest

Laut dem Blog des Handelsblattes nehme man die „Kritik sehr ernst“, dennoch halte man an der eigenen Bestenliste fest. Jene Forscher, die nicht beim Ranking dabei sein wollen, erhalten eine Opt-Out-Möglichkeit, Berücksichtigung in der Bewertung des Hochschulrankings finden sie aber trotzdem.

Ferner verteidigt sich das Blatt gegen die Vorwürfe gravierender methodischer Mängel. Die angewandte Methode sei eine gebräuchliche Vorgehensweise zur Auswertung von Forschungsleistungen, die ebenfalls international in den Wirtschaftswissenschaften angewandt werde. Der Fokus des Rankings richtet sich klar auf die Messung der Forschungsleistung. Sie sei „eine der Kernaufgaben schlechthin“, so das Handelsblatt.

Schon 2009 hatte die Zeitung eine Liste der „200 forschungsstärksten Betriebswirte“ veröffentlicht. Dafür wurden mehr als 2.000 Forscher der sogenannten DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bewertet. Auch diese Liste sorgte für einen Aufschrei der Empörung in der Professorenschaft.

(Redaktion)

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