Immer mehr Abiturienten entscheiden sich gegen ein Studium.Immer mehr Abiturienten entscheiden sich gegen ein Studium. Foto: Marvin Siefke / PIXELIO
News | Studium
Mittwoch, 10. Oktober 2012

Junge Menschen entscheiden sich öfter gegen ein Studium

Die Bereitschaft, nach dem Erwerb des Abiturs auch zu studieren, nimmt ab. Dies liegt nicht zuletzt am deutlich angestiegenen Anteil der Abiturienten.

So lag 1950 der Anteil der Abiturienten an einem Schuljahrgang bei unter 5%, heute beenden knapp 40% der Jugendlichen ihre Schullaufbahn mit dem Abitur. Da liegt es nahe, dass nicht alle Abiturienten auch eine akademische Laufbahn einschlagen wollen, zumal die Angebote an attraktiven Ausbildungsplätzen für Abiturienten deutlich gestiegen sind.

Was allerdings Sorgen bereitet ist der Umstand, dass der Anteil der nicht Studierenden aus den sogenannten bildungsfernen Schichten deutlich gestiegen ist. Während sich vormals noch 80 Prozent der Abiturienten, deren Eltern selbst kein Abitur haben, für ein Studium entschieden, ist es heute nur noch etwa die Hälfte.

Doch auch bei den Kindern aus Akademikerhaushalten ist der Drang zum Studium geringer geworden. Früher waren es 90 Prozent, heute sind es nur noch 80 Prozent, die ein Studium beginnen. Eine Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Akademikerkinder noch immer eine sechs Mal höhere Chance haben, mit einem Studium zu beginnen, als die Kinder von Nicht-Akademikern.

Studien-Autor Steffen Schindler vom Zentrum für Europäische Sozialforschung in Mannheim hat dafür zwei Gründe lokalisiert: Zum einen wird die Entscheidung für ein Studium oder eine Berufsausbildung von jungen Erwachsenen häufig erst nach dem Abitur getroffen. Außerdem hätte sich das Abitur inzwischen auch als Zugangsvoraussetzung für viele Ausbildungsberufe etabliert. Als weiteren Grund nennt er die Befürchtung, dass die Länge und die Kosten des Studiums den Abiturienten aus bildungsfernen Familien überfordern könnten.

Zwar verdienen Hochschulabsolventen im Durchschnitt noch immer deutlich mehr als Abiturienten mit einer Berufsausbildung, doch wird dabei gerne übersehen, dass mit einer Ausbildung der Einstieg in den Beruf viel früher gelingt und deshalb auch viel früher Geld verdient wird. Wenn die Eltern mit ihrem Facharbeiter-Dasein gut leben können, erscheint es ihnen und den Kindern nicht unbedingt erstrebenswert, erst noch zu studieren.

(Redaktion)

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