Hörsaal"Warten auf das BAföG" heißt es in diesem Jahr für viele Studenten bundesweit. Foto: Psy student123 / wikimedia / cc-by-sa 2.5
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Montag, 19. November 2012

BAföG: Studentenwerke können Antragsflut kaum bewältigen

Studenten müssen teilweise mehrere Monate auf ihr Geld warten – zu wenige Mitarbeiter und ein steigender bürokratischer Aufwand führen dazu, dass Studentenwerke mit den Anträgen nicht hinterherkommen.

Die deutschen Studentenwerke sehen sich einer nie dagewesenen Anzahl an BAföG-Anträgen ausgesetzt und kommen nicht hinterher – teilweise müssen Antragsteller mit Wartezeiten von bis zu vier Monaten rechnen. Besonders in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen herrscht ein Antragsstau. Immer mehr Studenten müssen auf das Ausbildungsgeld warten, das je nach Einkommen der Familie bis zu 670 Euro beträgt. Das bringt den Finanzplan vieler Betroffenen durcheinander: Mehrere Tausend Studierende in Berlin werden ihre Ausbildungsfinanzierung erst im Dezember oder sogar Anfang 2013 erhalten.

Wenige Mitarbeiter und hoher Bürokratieaufwand führen zu langen Wartezeiten

Warum die Studentenwerke mit den Anträgen nicht hinterher kommen, hat mehrere Gründe. Im Studentenwerk Berlin etwa sind 68 Mitarbeiter für die Bearbeitung der BAföG-Anträge zuständig, von denen viele derzeit krankgeschrieben sind, so berichtet die Berliner Morgenpost und beruft sich auf Christian Gröger, den Leiter des Berliner BAföG-Amtes. Dieser erklärt gegenüber der Zeitung, unabhängig von der geringen Zahl an Mitarbeitern sei der Ansturm von über 40.000 Erst- und Verlängerungsanträgen nicht in der angemessenen Zeit zu bewältigen. Sonderanträge seien hierbei noch nicht einmal mitgezählt. Die Zahl der Mitarbeiter sei in den letzten Jahren im Gegensatz zum gestiegenen Arbeitsaufwand nicht gewachsen.

Ein weiterer Grund für die Überlastung ist der zunehmende Bürokratieaufwand. Studierende, die sich an das BAföG-Amt wenden, müssen zunächst nachweisen, dass ihre Eltern nicht in der Lage sind, das Studium zu finanzieren. Außerdem verpflichten sie sich dazu, die Förderung nach dem Ende der Ausbildung in Raten zurückzuzahlen. Bedingung für die finanzielle Unterstützung ist es zudem, das Studium in der Regelstudienzeit von sechs Semestern für den Bachelor beziehungsweise vier Semestern für den Master abzuschließen. In diesem Rahmen müssen die Studenten die Förderung jährlich neu beantragen und Nachweise für die Studienleistungen beifügen. Sogenannte Wiederholungsanträge werden deshalb nicht, wie anzunehmen wäre, schneller bearbeitet als Erstanträge.

Studentenvertretungen in NRW klagen über fehlende finanzielle Mittel

Auch in Nordrhein-Westfalen müssen Studenten lange auf die finanzielle Unterstützung warten. So ist eine Presseerklärung, mit der kürzlich die ASten von elf Hochschulen in NRW an die Öffentlichkeit gegangen sind, mit „Koalition plant kalten Winter für Studierende“ betitelt. Darin wird erklärt, dass aufgrund der fehlenden Mittel viele Studierende im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands Monate lang auf ihr BAföG warten müssen. Dennoch wolle die Landesregierung nicht mehr finanzielle Mittel als 2011 bereitstellen. Der entsprechende Ansatz im Haushaltsentwurf 2012 liege wie 2011 bei etwa 15,3 Millionen. Gleiche Bearbeitungszeit bei immer mehr Anträgen, das sei ohne finanzielle Zuschüsse nicht machbar.

(Redaktion)

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