NoteWissenschaftsrat kritisiert: Uni-Noten sind zwischen Fächern nicht vergleichbar. Foto: knipseline / PIXELIO
News | Studium
Mittwoch, 12. Dezember 2012

Werden deutsche Studenten zu gut bewertet?

Der Wissenschaftsrat kritisiert, dass die Noten in den Abschlusszeugnissen nicht die Leistung der Studenten widerspiegeln und im Allgemeinen oft zu gut wären. Das Gremium forderte deswegen vor einigen Wochen eine Diskussion über die Standards bei der Notengebung.

Das Fass zum Überlaufen brachten die Abschlussnoten an der Uni Duisburg – Essen in den naturwissenschaftlichen Fächern. 97 Prozent der Studenten schlossen mit „gut“ und „sehr gut“ ab. Die Uni wies diese Kritik als unberechtigt zurück. Der hohe Leistungsstandard an der Universität sorge dafür, dass nur die wirklich begabten Studenten bis zum Abschluss kämen. Deshalb würden sie ihr Studium auch besonders gut abschließen. Seltsam ist nur, dass es bei den Juristen, die ihre eigene Notentradition pflegen, nur sieben Prozent der Studenten schaffen, mit derart guten Noten abzuschließen. Im Fach Mathematik sieht es dagegen wie bei den Naturwissenschaften aus. Zuletzt hatten 96 Prozent der Studenten gute oder sehr gute Abschlussnoten. Der Wissenschaftsrat forderte jüngst deswegen mehr Transparenz bei der Notengebung.

Wie kommt es zu diesem Notensegen?

Prof. Dr. Georg Hein, Studiendekan für Mathematik an der Essener Universität, kann zwar das Stirnrunzeln nachvollziehen, verweist aber andererseits auf die hohen Hürden in den Anfangssemestern, die eben von vielen nicht übersprungen würden. Er unterrichtet Lineare Algebra im ersten Semester. Der Kurs ist gefürchtet – die Durchfallquote liegt bei 50 Prozent. Entsprechend hoch liegt auch die Quote jener Studenten, die ihr Studium abbrechen. So kämen von vorneherein nur die Studenten weiter, die wirklich gut seien. So sei auch zu erklären, dass die Noten derjenigen, die ihr Studium abschließen, meist im oberen Bereich liegen.

Ähnliche Argumente führt Dr. Christian Johannes, Prodekan bei den Biologen, ins Feld. Er sieht in den Beschränkungen bei der Zulassung einen Grund dafür, dass wirklich nur die besten Studenten zum Studieren kämen und diese würden dann eben auch besonders gut abschließen.

Trotzdem ist inzwischen nicht nur den Arbeitgebern, sondern auch den Universitäten die Notengebung nicht recht geheuer. Gefordert wird vor allem mehr Vergleichbarkeit zwischen den Fächern.

(Redaktion)

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