Guttbye Demo BerlinGuttbye-Demo in Berlin (2011): Bereits mehrere prominente Volksvertreter mussten sich wegen einer Plagiatsaffäre dem Druck der Öffentlichkeit beugen und zurücktreten. Foto: bhrgero / flickr.com / CC BY-NC-SA 2.0
News | Studium
Montag, 15. April 2013

Doktortitel auf dem Prüfstand

In den letzten Jahren gerieten zunehmend Politiker in den Fokus, denen vorgeworfen wurde, bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Manche Politiker, vor allem auf Ministerebene, mussten sich dem Druck bereits beugen und ihr Amt niederlegen. Doch tragen die Verfasser wirklich die alleinige Schuld am oftmals lange unentdeckt gebliebenen Plagiat? Oder sollten nicht vielmehr das Doktorat und die Zulassungsbedingungen reformiert werden?

Immer wieder kommt es bei den Doktorarbeiten zu Plagiatsvorwürfen, doch bei der Schuldfrage rücken oft nur die Verfasser in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Dabei sollte auch die Rolle der betreuenden Professoren genauer analysiert werden. Immer mehr stellt sich nämlich die Frage, ob Doktoranden auch richtig betreut werden während ihrer Promotion oder ob sie schlichtweg überfordert sind.

In der Politik werden mittlerweile sogar verstärkt Stimmen laut, die fordern, den Doktortitel ganz aus dem Personalausweis zu verbannen. Ginge es nach den Grünen, würde der Titel nicht mehr im Ausweis stehen. Hintergrund dieser Forderung: Einen Doktortitel zu erwerben würde nicht mehr als Nachweis wissenschaftlicher Qualifikation betrachtet, sondern vorrangig zur Steigerung der gesellschaftlichen Reputation angesehen werden. Die Plagiatsaffären rund um prominente Volksvertreter lassen den Doktortitel somit zunehmend unglaubwürdig erscheinen.

Notenverteilung an deutschen Universitäten

Nach aktuellen Erkenntnissen wird es immer leichter einen Doktortitel mit „summa cum laude“ zu erwerben. So untersuchte das private Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) in Berlin die Notenverteilung der Promotionen. Sie fanden heraus, dass der Anteil der Note „summa cum laude“ in den Jahren von 2002 bis 2010 auf etwa 16 Prozent gestiegen ist.

Einige Unis vergeben dabei besonders gerne diese Note, andere wiederum gehen eher sparsam damit um. Im Bereich der Wirtschaft gibt es zum Beispiel neun Universitäten, die jede zweite Promotion mit „summa cum laude“ bewerten. An den Unis in Kiel sind es 76 Prozent, und auch an der privaten WHU Otto Beisheim School of Management verlassen 69 Prozent der Doktoranden die Hochschule mit „summa cum laude“. Von einem einheitlichen Qualitätsmaßstab hingegen fehlt jegliche Spur. Die Note als alleinigen Indikator für die Leistung der Doktoranden anzusehen, wäre nach diesen Erkenntnissen eindeutig falsch.

Dadurch ist zu beobachten, dass bei der Einstellung neuer Juniorprofessoren die dienstälteren Professoren kaum noch auf die Note der Doktorarbeit achten. Der Wissenschaftsrat schlägt deshalb sogar vor, Promotionen in Deutschland einfach gar nicht mehr zu benoten.

Ähnliche Verhältnisse bei Diplom- und Magisterabsolventen

Die Benotung in Diplom- und Magisterstudiengängen geht in die gleiche Richtung. 2011 haben knapp 80 Prozent ihren Abschluss mit „sehr gut“ oder „gut“ bestanden. Verglichen mit 2000 ist dies ein Anstieg von gut 9 Prozent. Auch hier gibt es große Unterschiede in den Fächern, so schließen Juristen ihr Examen in der Regel deutlich schlechter ab als Kunstwissenschaftler. Viele Dozenten sind mit der Betreuung zeitlich überfordert und benoten die Studenten oftmals so gut, um sich am Ende nicht mit Beschwerden oder gar Klagen auseinandersetzen zu müssen.

(Redaktion)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *