Universitätsbibliothek der FU BerlinDie FU Berlin will Lehrinhalte nur über eine Apple-Software verfügbar machen. Foto: David Ausserhofer / FU Berlin
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Montag, 1. April 2013

FU will Lehrinhalte nur über Apple-Software verfügbar machen

Die Freie Universität (FU) Berlin will die Inhalte von Vorlesungen auch Nicht-Studierenden zugänglich machen. An sich ist diese Art der Öffentlichkeitsarbeit nicht ungewöhnlich, allerdings plant die FU in diesem Zusammenhang eine exklusive Kooperation mit Apple. Die Inhalte sollen demnach nur über die Software iTunes U zur Verfügung gestellt werden. Die ersten Kritiker laufen bereits Sturm.

Wer nicht zu den Studierenden gehört, kann sich trotzdem online über Vorlesungen und deren Inhalte informieren. Auch die Studenten selbst nehmen diese Angebote sehr gerne wahr. Die FU Berlin möchte nun mitziehen und will ihre Vorlesungen und Videomitschnitte über iTunes anbieten. Apple hat bereits vor Jahren speziell für die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und Studieninhalte die Software iTunes U entwickelt.

Exklusivität für Apple

Dass Universitäten ihre Materialien online zur Verfügung stellen, ist nichts Neues. Hier hat jeder Internetnutzer freien Zugriff auf Vorlesungsstoffe aus den verschiedensten Fachbereichen. So können wissenschaftliche Inhalte auch für Nicht-Studierende zur Verfügung gestellt werden, was nicht nur dem Wissensaustausch zu Gute kommt, sondern auch ganz im Sinne der Bildungsbereicherung ist. Allerdings: Das Angebot der FU unterscheidet sich durch das Exklusivrecht für Apple drastisch von den bisherigen Angeboten.

Die Universität selbst betont, dass sie lediglich „wie bereits andere deutsche und internationale Hochschulen zuvor“ einen offiziellen Auftritt bei iTunes U plane. Diesem Eindruck widerspricht allerdings ein internes Schreiben vom Kanzler der Universität. Darin soll für die Zusammenarbeit mit Apple Werbung gemacht werden und die Dozenten sollen aufgefordert sein, von der Veröffentlichung ihrer Materialien auf anderen Online-Plattformen abzusehen.

Kritik am Vorhaben

Die Studierenden selbst sehen im Vorstoß der Universität zum einen ein fortschrittliches Vorhaben, zum anderen kritisieren sie aber die Exklusivität der Verfügbarkeit. So betonte Hannes Hauswedell von der Fachschaft Bioinformatik gegenüber dem Portal Golem.de, dass jedes Vorhaben, Wissen und Lehre zu verbreiten als positiv zu werten sei, allerdings sei dieser konkrete Vorschlag lediglich als ein „Datengeschenk an ein großes Unternehmen“ zu bewerten.

Fakt ist, dass der Nutzer des Angebotes eine von Apple bereitgestellte Software, mitunter aber auch einen eigens eingerichteten Zugang benötigt, um die Daten überhaupt einsehen zu können. Auch zahlreiche andere Universitäten bieten ihre Inhalte online an, allerdings ist es dort üblich, dass Nutzer aller Browser und Betriebssysteme problemlos darauf zugreifen können. So bleibt am Ende die Frage, ob es sich beim Vorhaben der FU wirklich um einen Fortschritt oder lediglich um eine wirtschaftlich motivierte Kooperation handelt, bei der die Bereitstellung von Lehrinhalten längst zweitrangig geworden ist.

(Redaktion)

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