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News | Hochschulen, Studium
Donnerstag, 24. März 2011

Gerichtsurteil erschwert Einklagen ins Medizinstudium

Das Traumstudium Medizin wird wohl in Zukunft für viele doch nur ein Traum bleiben: Da ein Medizinstudium Hochschulen und Bundesländern hohe Kosten bereitet, wird nur eine limitierte Anzahl an Plätze vergeben. Das Kontingent reicht nicht für alle Interessenten, weshalb immer mehr Bewerber versuchen, sich ins Studium einzuklagen. Dem hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am gestrigen Mittwoch eine weitere Hürde in den Weg gestellt.

Viele Abiturienten träumen davon, eine Karriere als Arzt hinzulegen. Immer wieder ist vom Ärztemangel in Deutschland zu hören, der Arbeitsmarkt scheint also nur so auf junge Mediziner zu warten. Daher beschließen viele, sich für ein Medizinstudium in Deutschland zu bewerben. Bewerbern stehen dabei zwei Wege zur Verfügung: entweder mit einer Bewerbung im bundesweiten Zulassungsverfahren über die Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund (ehemals ZVS) oder durch eine Bewerbung direkt an der Hochschule mittels ihres eigenen Zulassungsverfahrens.

Bisher gab es für abgewiesene Bewerber noch die Möglichkeit, sich einen Studienplatz an einer Hochschule rechtlich zu erstreiten. Universitäten können nämlich die Studienplätze in Fächern, die besonders hohe Kosten aufwerfen, limitieren. Wird nun aber nachgewiesen, dass doch mehr Kapazitäten vorhanden sind als angegeben, muss die Hochschule auch mehr Studienplätze anbieten. Durch eine Kapazitätsklage hatte man bisher also durchaus die Chance, doch noch ins ersehnte Studienfach zu kommen.

Baden-Württemberg schafft Präzidenzfall

Baden-Württemberg hat sich eine Regelung überlegt, wie den Klagen Einhalt geboten werden kann. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erklärte nun diese Regelung als mit Bundesrecht vereinbar (BVerwG 6 CN 3.10, Urteil vom 23. März 2011). Kurz gesagt besagt das Urteil, dass nur, wer bei der ehemaligen ZVS beispielsweise die Uni Heidelberg als Erstwunsch angegeben hat, dort überhaupt auf die Warteliste für nicht vergebene Studienplätze kommt. In der Folge wird es dem abgewiesenen Bewerber aber auch nur noch an der Uni Heidelberg möglich, eine Kapazitätsklage einzureichen. Es ist nicht mehr möglich, sich einfach an einer anderen Uni einzuklagen.

Mittlerweile gibt es eine ganze Juristen-Branche, die sich auf Kapazitätsklagen spezialisiert hat. Diese „Rechtsanwälte gegen Numerus Clausus“ – in Anspielung an den strengen NC, den viele Unis verlangen – setzen auf kostspieligen Mehrfachklagen, die ihnen gutes Geld einbringen. Dubioser Rat dieser Rechtsbeistände: Schon einen Juristen beauftragen, wenn man sich bewirbt. Der Jurist kann dann beraten, an welcher Uni im Zweifelsfalle eine Klage Erfolg hätte, ergo welche Uni als favorisiert angegeben werden sollte. Man sollte sich fragen, ob es das wert ist – finanziell wie ethisch…

(SW)

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