Noch ist nichts entschieden: Die Uni Düsseldorf ermittelt weiter im Fall Schavan. Foto: AndreasSchepers / wikimedia / cc-by-sa 2.5Noch ist nichts entschieden: Die Uni Düsseldorf ermittelt weiter im Fall Schavan. Foto: AndreasSchepers / wikimedia / cc-by-sa 2.5
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Mittwoch, 9. Januar 2013

Neues im Fall Schavan: Uni prüft Plagiatsvorwürfe weiter

Der ehemalige Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Anfang gemacht. In seiner Dissertation fanden sich Textpassagen, die strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen darstellten. Aufgrund der Plagiatsvorwürfe trat er schließlich von seinen bundespolitischen Ämtern zurück.

Trifft es jetzt Annette Schavan? Auch ihre Doktorarbeit aus dem Jahre 1980 geriet ins Visier des Recherche-Netzwerkes Vroni Plag Wiki. Schavan selbst erklärte dazu, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben, und bat die Universität Düsseldorf von sich aus um eine Prüfung der Vorwürfe. Für diese universitätsinterne Prüfung zeichnet der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher verantwortlich; er kam zu dem Schluss, dass die Art und Weise der Fundstellen die Plagiatsvorwürfe durchaus gerechtfertigt erscheinen lasse. Der Bericht über seine Vorprüfung gelangte auch in die Medien, ohne dass Annette Schavan dazu Stellung nehmen konnte. Die Universität Düsseldorf sieht sich deshalb dem Vorwurf der Vorverurteilung ausgesetzt.

Verfahren soll noch im Januar eröffnet werden

Immerhin waren die Feststellungen Rohrbachers so gravierend, dass sich die Fakultät veranlasst sah, sie weiter zu verfolgen. Der Fakultätsrat will jetzt am 22. Januar 2013 darüber entscheiden, ob er offiziell ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eröffnen soll. Zwar hatte Schavan inzwischen Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, doch hat sich der Promotionsausschuss trotzdem dafür ausgesprochen, das Verfahren offiziell zu eröffnen.

Bestätigung der Vorwürfe könnte Rücktritt zur Folge haben

Aufgrund der Nähe zur Kanzlerin – Schavan zählt zu ihren engsten Vertrauten – und ihrer Funktion als Bildungsministerin sind die Plagiatsvorwürfe besonders schwerwiegend. Sollte sich der Verdacht des Plagiats bestätigen, könnte das somit den Rücktritt der Ministerin zur Folge haben. Möglicherweise liegt der Fall Schavan aber anders, denn bislang hat die Bildungsministerin die Vorwürfe zurückgewiesen. Die wörtlichen Übernahmen aus anderen Quellen seien zwar nicht als wörtliches Zitat, aber jeweils durch Fußnoten kenntlich gemacht worden. Sie habe daher die Urheberrechte der Quellen nicht verletzt; in dieser Ansicht wird Schavan auch von namhaften Wissenschaftlern unterstützt.

Auch Schavans Doktorvater Gerhard Wehrle ist der Ansicht, dass die Arbeit absolut dem damaligen wissenschaftlichen Standard entsprochen habe. Er wehrt sich dagegen, eine solche Arbeit mit den heutigen Maßstäben zu bewerten.

(Redaktion)

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