Ruhr-Uni in Bochum: In einer Resolution fordert das Studentenwerk die Abschaffung des Latinums für Lehramts-Studenten. Foto: Niko Korte  / PIXELIORuhr-Uni in Bochum: In einer Resolution fordert das Studentenwerk die Abschaffung des Latinums für Lehramts-Studenten. Foto: Niko Korte / PIXELIO
News | Studium
Montag, 29. April 2013

NRW will Latinum für Lehramt – Studenten abschaffen

In Nordrhein-Westfalen denken Grüne und SPD über eine Abschaffung der Latinum-Pflicht für Lehramtsstunden nach. Hintergrund ist eine Forderung der Studentenvertretung der Ruhr-Uni in Bochum. Demnach sei ein nachträglich erworbenes Latinum eine häufige Ursache für Studienabbrüche und längere Studienzeiten.

Als Reaktion auf die von der Studentenvertretung der Ruhr-Uni Bochum eingereichte Resolution zur Abschaffung der Latinum-Pflicht erfolgte von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) die Ankündigung eines Berichts zur Umgestaltung der Lehrerausbildung. Er wird sich insbesondere mit der Umsetzung und Qualität der Lehrerausbildungsreform beschäftigen und soll bis Ende 2013 im Landtag vorliegen. Im Zuge der Reformbemühungen könne ebenfalls über das Thema Latein in der Lehrerausbildung diskutiert werden, so Löhrmann.

Ansichten über Kenntnisse in Latein differenzieren stark

Ob das Latinum notwendig ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Ein Großteil der Schüler ist der Ansicht, dass für ein Jura- oder Medizinstudium der Erwerb von Lateinkenntnissen sinnvoll sei. Allerdings sieht die Realität ganz anders aus: Für diese Fächer ist nämlich gar kein Latinum vorgeschrieben, während Gymnasial- und Gesamtschullehrer gemäß der geltenden Landesverordnung unter anderem für eine Ausbildung in den Fächern Philosophie, Geschichte, Englisch und Französisch ein solches vorweisen müssen. Laut Ansicht der Bochumer Studentenvertretung ist das Latinum aber kein Kriterium, dass Einfluss auf die Qualität des Lehrpersonals habe, und gehöre daher abgeschafft. Grundkenntnisse in Latein, die sich durch einen in das Studium eingearbeiteten Kurs mit einem Zeitaufwand von 25 Arbeitsstunden erwerben lassen, seien völlig ausreichend.

Die Bildungsgewerkschaft GEW befürwortet den Vorschlag, da an einigen Schulen der Erwerb des Latinums gar nicht mehr möglich sei und die Schüler so benachteiligt seien, wenn sie ein Lehramtsstudium in NRW beginnen wollen. Der Philologenverband hingegen warnt vor einem „Schmalspur-Studium“.

Jetzige Regelungen setzen die Studierenden enorm unter Druck

Aktuell muss jeder betroffene Student das Latinum an der Uni durch einen zusätzlichen Kurs nachholen, falls er dieses nicht bereits während seiner schulischen Ausbildung erworben hat. Die Praxis an der Uni Köln sieht zum Beispiel in dem Falle so aus, dass ein Studierender in drei Semestern – das entspricht einer Dauer von anderthalb Jahren – den Stoff nachholen muss, den Schüler im Unterricht innerhalb von fünf Jahren durchgenommen haben. Den Abschluss bilden eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, bei denen die Studenten nur einmal durchfallen dürfen.

Das Pensum ist für betroffene Studierende allerdings kaum zu bewältigen, viele nehmen Nachhilfeunterricht und fallen am Ende trotzdem durch. Manche wechseln wegen der Latinum-Pflicht die Uni und gehen nach Niedersachsen oder Bayern, wo diese schon vor einiger Zeit abgeschafft wurde. Als weder zeitgemäß noch fachlich notwendig bezeichnete Grünen-Hochschulexpertin Ruth Seidl die Latinum-Pflicht für Lehramt-Studenten. Die CDU sieht das Latinum allerdings für eine anspruchsvolle Ausbildung als unerlässlich an. Auch die FDP wehrt sich gegen den Vorstoß und degradiert das Vorhaben als „rot-grünes Absenken von Leistungsstandards“.

(Redaktion)

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