PlagiatAnstatt sich selbst vor den PC zu setzen und die Arbeit selbst zu schreiben, nutzen immer mehr Studenten den Service eines Ghostwriters. Foto: Jorma Bork / PIXELIO
News | Studium
Montag, 10. September 2012

Plagiate und Ghostwriting – Studenten schummeln

Jeder fünfte Student gibt pro Semester ein Plagiat ab. Auch Werke von Ghostwritern sind an den Unis keine Seltenheit. Trotzdem sind diese nahezu machtlos, denn das Auffinden von Plagiaten gestaltet sich schwierig.

In einer Umfrage fanden Soziologen der Universität Bielefeld und Würzburg heraus, dass jeder fünfte Student wenigstens ein Plagiat abgibt. Außerdem schummeln während eines Semesters acht von zehn Studenten mindestens ein Mal. Selbst renommierte Vollblut-Wissenschaftler stehen heute unter Plagiatsverdacht und nach Schätzungen von Experten schreibt ungefähr jeder dritte Promovend in einzelnen Fächern seine Arbeit nicht mehr selbst, sondern er lässt schreiben. All dies lässt den Schluss zu, dass Tricksereien und Plagiate Alltag im Wissenschaftsbetrieb sind und nicht nur im Einzelfalle als Randerscheinungen auftreten. Stellt sich nun allerdings die Frage, ob die daraus gezogene Schlussfolgerung richtig ist. Zählen Tricksereien in der Gegenwart wirklich nur noch als Kavaliersdelikt?

Kampfansage gegen Ghostwriter und deren Kunden

Plagiatsjägerin und Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin Debora Weber-Wulff sprach erst kürzlich in einem Interview der Fachzeitschrift „Forschung und Lehre“ davon, dass heute der Umgang mit Texten entweder nicht korrekt vermittelt wurde oder man diesen wieder verlernt hat. Seit langem prangert auch Manuel René Theisen, BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Plagiate an. „Kopieren und einfügen“ ist bei vielen Doktoranden und Studenten an der Tagesordnung. Für sie ist die Vorgehensweise ein Kavaliersdelikt.

Den Entwicklungen will der Deutsche Hochschulverband durch stärkere Abschreckung einen Riegel vorschieben. Er fordert den Straftatbestand des Wissenschaftsbetruges auch auf dieses vermeintliche Kavaliersdelikt auszuweiten. Allerdings sind nicht diejenigen die Zielgruppe, die Texte von anderen nutzen, ohne darauf zu verweisen, sondern diejenigen, die ihre gesamte Arbeit schreiben lassen. Damit verspricht man sich neben dem Überführen der sogenannten Promotionsberatungen und Ghostwritern gleichzeitig das Ausfindigmachen des Auftraggebers. Es werden nicht selten bis zu mehrere zehntausend Euro für eine Doktorarbeit gezahlt.

Das Ertappen von Ghostwritern und deren Kunden ist schwer. Keiner von ihnen will auffliegen. Da ist es einfacher, Plagiate aufzuspüren. Doch die Arbeit ist mühsam, weshalb viele Professoren davor zurückschrecken. Und auch nach dem Erwischen eines Sünders, tut man sich oft schwer im Umgang mit ihnen. Die Hochschulen wünschen in den meisten Fällen eine diskrete Behandlung. Manches Mal erfahren die Doktorväter sogar noch einen besonderen Schutz durch den Ombudsmann der Universität. Immerhin ist ein Doktorvater in der Regel ein angesehener Professor. Man glaubt dann oft nicht an Plagiate, sondern geht lediglich von Fehlern aus.

Diskussion derzeit nur über Ghostwriter und Plagiate

Derzeit beschränkt sich die Diskussion der Wissenschaftsgemeinschaft nur auf Plagiate und Ghostwriter. Dabei sind viele Doktorarbeiten inhaltlich schwach und überaus dünn aufgebaut. Heutzutage müssen Quellen wie Wikipedia oder die „Super-Illu“ für vermeintlich fundierte Informationen herhalten. Nichtsdestotrotz nehmen die meisten Professoren die Beurteilung der Absolventen sehr ernst. Daher ist eher ein Umdenken, anstelle einer Bestrafung angeraten. Mit einem härteren Verfahren gäbe es weniger Doktoranden und damit mehr Qualität. Zum Lesen der Arbeiten wäre beispielsweise auch das Auslosen eines Gutachters denkbar, der Autor und Doktorvater nicht namentlich kennt.

(Redaktion)

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