SchavanBundesbildungsministerin Schavan schließt Rücktritt weiterhin aus, räumt jedoch Fehler ein. Foto: AndreasSchepers / flickr / cc-by-sa 2.0
News | Studium
Mittwoch, 30. Januar 2013

Plagiatsverfahren: Schavan räumt Flüchtigkeitsfehler ein

Erstmals räumt die Bildungsministerin jetzt gegenüber dem „ZEITmagazin“ Flüchtigkeitsfehler bei ihrer Doktorarbeit ein. Dennoch beharrt Schavan weiterhin darauf, dass die Plagiatsvorwürfe gegen sie unbegründet sind. Ein Rücktritt kommt für sie laut eigenen Angaben nicht infrage.

Die Angeklagte ist zuversichtlich: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schließt bislang einen Rücktritt auch nach dem Beginn des Verfahrens zur Überprüfung ihres Doktortitels weiter aus. Gleichzeitig bleibt sie bei ihrer Aussage, die Doktorarbeit sei kein Plagiat gewesen und geht davon aus, dass die Plagiatsvorwürfe der Uni Düsseldorf ausgeräumt werden. Zwar räumte die Ministerin im Interview mit dem „ZEITmagazin“ jetzt erstmals ein, ihr seien Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, dennoch bestreitet sie weiter plagiert oder getäuscht zu haben.

Zuspruch aus der Wissenschaft

„Die intensive Beschäftigung mit dem Text“ der Dissertation hätte Schavan in ihrer Überzeugung bestärkt, dass die Arbeit definitiv kein Plagiat sei, so äußerte sich die Ministerin Medienberichten zufolge in Berlin. Seit dem Aufkommen der Vorwürfe habe sie mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen und hoffe nun auf eine weitere Chance: Mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens sollten jetzt auch externe Fachgutachten eingeholt werden. Der „Südwest Presse“ gegenüber antwortete Schavan auf die Frage nach einem eventuellen Rücktritt, sie erhalte seit Wochen „derart viel Zuspruch aus der Wissenschaft“, dass sie sich nicht veranlasst sehe, aufzugeben.

Grundsatzdebatte: Was ist ein Plagiat?

Im Raum steht noch die Frage, ob die Bildungsministerin gegen eine Entscheidung der Universität Düsseldorf gerichtlich vorgehen würde. Medienvertretern gegenüber sagte Schavan dazu, gerade weil sie Wissenschaftsministerin sei, setze sie auf die „Souveränität der Wissenschaft und den wissenschaftlichen Disput“. Deshalb sei sie davon überzeugt, dass die Vorwürfe unberechtigt sind. Über den Vorwurf der Täuschung sei sie jedoch bestürzt. Es ginge dabei schließlich nicht nur um den Doktortitel, sondern auch um ihre Integrität. Einen positiven Aspekt kann die CDU-Politikerin dem Verfahren dennoch abgewinnen: Die Debatte beschäftige sich mit der grundsätzlichen Frage, ab wann man in der Wissenschaft eigentlich von einem Plagiat spricht. Aus dem Verfahren könnte laut Schavan endlich ein Kodex zum wissensgerechten Umgang mit Plagiatsvorwürfen entstehen.

Ausgang des Verfahrens weiter offen

Hintergrund des Verfahrens: Der Bundesbildungsministerin wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit im Fach Philosophie zum Thema „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 an vielen Stellen falsch zitiert und Quellen unterschlagen zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte aus diesem Grund beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung Schavans Doktortitels einzuleiten. Noch ist es nicht sicher, ob die Politikerin ihren Titel tatsächlich verliert – die Prüfer könnten sich auch gegen einen Entzug entscheiden, falls sie zu dem Schluss kommen, dass dafür keine ausreichenden Gründe vorliegen.

(Redaktion)

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