Dr. titelWährend in Deutschland über die wissenschaftliche Redlichkeit diskutiert wird, sind in Russland gefälschte Doktorarbeiten und gekaufte Titel an der Tagesordnung. Foto: Gerd Altmann / PIXELIO
News | Studium
Mittwoch, 20. Februar 2013

Promovieren auf Russisch: Bestechungen und Plagiate an der Tagesordnung

Während hierzulande das Ringen um rechtmäßig verdiente Doktortitel immer weiter geht – der jüngste Fall war die Aberkennung des Titels von Bildungsministerin Schavan -, boomt in Russland das Geschäft damit. Wer Geld hat, kann ohne Probleme zum Doktor werden. Der Weg ist zwar illegal, doch er wird gerne gegangen.

In Deutschland ist die Diskussion um erschlichene Titel aktuell in vollem Gange. Erst kürzlich sorgte die Aberkennung des Doktortitels von Bildungsministerin Annette Schavan für großes Aufsehen.

In Russland dagegen werden zukünftige Doktoren nicht an ihrem Wissen, sondern an der Fülle ihrer Brieftasche gemessen. Wie auf dem Basar geht es hier bei den Doktortiteln zu. Studenten können sich einen solchen kaufen, Beamte bekommen mal eben einen als Lohn für ihre Verdienste geschenkt. Mit harter ehrlicher Arbeit hat das wenig zu tun.

Russische Professoren sind käuflich

Die russischen Doktortitel sind nicht die Machenschaften von Betrügern, sie werden tatsächlich von angesehenen Professoren herausgegeben. Das Wohlwollen des Doktorvaters können sich Studenten erkaufen. Etwa 40.000 Rubel – das entspricht rund 1.000 Euro – reichen aus, um Aufgabenstellungen vorab herauszufinden oder tatkräftige Unterstützung beim Verfassen der Dissertation zu erhalten. Das spiegelt sich natürlich auch in einer äußerst niedrigen Durchfallquote wider. Über 30.000 Akademiker promovieren jedes Jahr in Russland.

Ministerpräsident Dmitri Medwedjew als promovierter Jurist ist über die Entwicklungen empört. Gehe es so weiter, würden alle Professor- und Doktortitel in Misskredit gebracht. Er fordert deshalb mehr Transparenz. Wichtig sei nicht nur die Kontrolle der Inhalte, sondern weiterhin die Überprüfung der Quellen. Der entscheidende Faktor ist allerdings die Zeit. Die Vorgehensweise ist zwar die gleiche wie in Deutschland, sprich Veröffentlichung von Doktorarbeiten und Lesen von mehreren Professoren, doch ein Großteil der Promotionen wird jahrelang in Schubladen gelagert. Das kommt dem Graduierten zugute, denn nach drei Jahren tritt die Verjährung ein und die Entziehung des Titels ist nicht mehr möglich. Medwedjew spricht sich daher für eine Verlängerung der Frist auf zehn Jahre aus.

Plagiatsaffären auch in Russland nicht unbekannt

Auch Russland hat mit Plagiatsaffären zu kämpfen. Unlängst trat der Direktor der Moskauer Mathematik-Hochschule zurück. Er steht im Verdacht, seinen Doktortitel auf unrechtmäßige Weise erschlichen zu haben. Diesen leisen Verdacht hegen einige ebenfalls gegen zahlreiche Abgeordnete der Duma. Der „Titelmarkt“ folgt einem System. Dahinter stehen Experten, die den gesamten Prozess exakt kennen. Probleme brauchen sie nicht zu befürchten.

(Redaktion)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *