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Donnerstag, 16. Juni 2011

Studentenleben ist nicht gleich Studentenleben

Wissenschaftler des Vergleichsreports „Eurostudent IV“ des Instituts „HIS – Hochschul-Informations-System“ haben zehntausend Studenten aus über 25 europäischen Ländern in punkto Studentenleben, Studium und Zukunftsplanung befragt – mit einem sehr interessanten Ergebnis.

Nach dem Abitur erstmal ausspannen und reisen? Oder doch gleich ab zum Studium und was anständiges Lernen? Endlich was Eigenes aufbauen oder lieber weiterhin die Nestwärme von Mutti und Pappi genießen? Hier liegen die Meinungen nicht nur bei den deutschen Studenten ziemlich weit auseinander, auch die Studenten unserer Nachbarstaaten kommen bei dem Thema Hochschulleben nicht immer auf einen Nenner.

Im Allgemeinen ticken die europäischen Studenten in puncto Studium, Auslandaufenthalte und Zukunftsplanung doch recht unterschiedlich. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls der Vergleichsreport „Eurostudent IV“. Innerhalb von drei Jahren haben Wissenschaftler des Instituts „HIS – Hochschul-Informations-System“ Zehntausende Studenten aus 25 europäischen Ländern befragt und die Ergebnisse analysiert. Daraus ist dann ein Werk von 244 Seiten, das neue Trends aus der Hochschullandschaft Europa zeigt.

Deutsche Heranwachsende sind Nestflüchter

Der deutsche Nachwuchs setzt lieber auf Selbstständigkeit und himmlische Freiheit, als auf das Hotel „Mama“. Getreu dem Motto: „Nichts wie weg“ ziehen ein Drittel aller Studierenden nach dem Abitur aus dem Elternhaus aus und finden ihr neues Eigenheim in einer Wohngemeinschaft wieder. Wilde Partys, durchtanzte Nächte und jede Menge Chaos weit entfernt von Mutti und Pappi. Doch nicht alle wollen ihre Wäsche selbst waschen, den Haushalt alleine schmeißen und nach einem stressigen Unitag noch den Kochlöffel schwingen. Da ist es für circa ein Viertel der deutschen Studis bequemer, gemütlich die Füße hoch zu legen und sich nach Strich und Faden von den Eltern verwöhnen zu lassen. Im internationalen Vergleich hingegen ist dieser Anteil aber eher gering: Auf Malta, Italien, Spanien und Polen scheint das Kinderzimmer auch noch nach dem Abitur von äußerster Attraktivität und nostalgischen Charme zu sein. Denn hier verzichten besonders Kinder aus Akademikerfamilien auf ein eigenes Domizil und genießen lieber die Vorzüge des Hotels „Mama“.

Gesenktes Reisefieber

Die wilde Reiselust gepaart mit einer Prise von Neugier kommt bei den meisten deutschen Studenten eher selten vor. Gerade mal neun Prozent der Studis sehnen sich nach einem Auslandsaufenthalt an einer ausländischen Universität. Grund hierfür ist jedoch nicht mangelndes Interesse an Mensch und Kultur, sondern eher das oftmals schmale Portemonnaie, das wenig Spielraum für ein aufregendes Semester in einem fremden Land lässt. Und auch hier scheint Deutschland noch eher an der Spitze der europäischen Staaten zu stehen. Schaut man nämlich nach Kroatien oder Polen, studieren nur zwei Prozent aller Studenten für ein Semester in einem anderen Land.

Nicht das kleine Portemonnaie hält die Studenten der skandinavischen Staaten von einem Auslandsaufenthalt ab, sondern viel mehr die Angst vor einer Trennung von Familie und Freuden. So haben schon circa 12 Prozent der Studenten während des Studiums ein eigenes Kind. Deutschland liegt mit gerade einmal fünf Prozent klar hinter dem Spitzenreiter. Sie wollen lieber die Vorzüge des jungen Alters für ihre Karriereplanung nutzen und so fängt über die Hälfte aller deutschen Studenten schon direkt nach dem Abitur mit einem Studium an.

Verständlich, betrachtet man das monatliche Durchschnittsbudget eines Studenten von 790 Euro. Spitzenreiter der Verdiener sind jedoch die Jungakademiker in der Schweiz: Sie können im Monat im Durchschnitt 1483 Euro ausgeben können. Die Studenten in der Türkei hingegen müssen mit 242 Euro über die Runden kommen, auf Malta sogar mit durchschnittlich nur 100 Euro. Vollkommen unabhängig vom Durchschnittseinkommen müssen alle diese Studenten 40 Wochenstunden bewältigen. Die Streber befinden sich hierbei eher in Portugal und Spanien, dicht gefolgt von Deutschland, das Schlusslicht bilden hingegen die Staaten Slowakei und Lettland.

(LT)

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