Uni EssenAn der Universität Duisburg-Essen startet bereits zum Wintersemester 2014/2015 ein Pilotprojekt das studieren auch ohne Abi möglich macht. Foto: Karlheinz Spock / wikimedia / cc-by-sa 2.5
News | Studium
Donnerstag, 31. Januar 2013

Studium ohne Abitur in Thüringen

In Thüringen sollen junge Menschen künftig auch ohne Abitur studieren können. Mit einem neuen Gesetz will das Kultusministerium die Perspektiven von wissenschaftlich qualifiziertem Personal verbessern. An anderen Hochschulen gibt es bereits ein vergleichbares Modellprojekt: Die Hans-Blöckler-Stiftung unterstützt Menschen auf dem sogenannten dritten Bildungsweg.

Dem wissenschaftlichen Nachwuchs sollen in Thüringen bessere Karrierechancen geboten werden. Möglich werden soll dies durch die Einführung eines Probestudiums, wie Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) am Mittwoch in Erfurt erklärte. „Wir wollen exzellenten Nachwuchswissenschaftlern frühzeitig spannende und verlässliche Perspektiven eröffnen“, so Matschie gegenüber Vertretern der Presse. Auf diese Weise wolle man sie als Hochschullehrer und Wissenschaftler dauerhaft an Thüringen binden.

In dem Gesetzesentwurf heißt es, das Probestudium solle wieder eingeführt werden, das ungeachtet des Abschlusses einen Zugang zu den Hochschulen ermöglicht. So sollen Menschen auch ohne Abitur an den Universitäten und FHs studieren können. Bewähren sich die Studenten in einem Probesemester, dürfen sie ihr Studium fortsetzen. Das Ministerium erklärte dazu, dass sich das Angebot hauptsächlich an Menschen richte, die bereits eine Berufsausbildung absolviert haben und zusätzlich eine akademische Qualifikation erlagen möchten. Außerdem solle der Gesetzentwurf es Weiterbildungswilligen ermöglichen, Masterstudiengänge zu beginnen, ohne zuvor einen Bachelorabschluss erhalten zu haben. Die Pläne werden laut Kultusministerium jetzt mit den Hochschulen besprochen. Den überarbeiteten Entwurf stimmt das Ministerium dann mit den anderen Ressorts ab, bevor der Landtag darüber berät.

Erstes Pilotprojekt startet an der Universität Duisburg-Essen

Was in Thüringen noch Theorie ist, hat die Hans-Blöckler-Stiftung in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und der Hochschule Niederrhein bereits auf den Weg gebracht. Ein Modellprojekt soll ab dem Wintersemester 2014/2015 90 Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung das Studium ermöglichen. Studenten sollen dabei nicht nur finanziell beim Wechsel aus dem Beruf an die Hochschule unterstützt werden, das Programm besteht zudem aus Vorbereitungskursen, speziellen Lerngruppen und E-Learning-Angeboten.

Ziel des Studiums ist ein Bachelor-Abschluss. Das Modellprojekt der Stiftung ist in drei Phasen gegliedert: Bereits Monate vor dem eigentlichen Studienbeginn bereitet ein breites Seminarangebot die Stipendiaten berufsbegleitend auf das Studium vor. In Phase zwei wird in kleinen Lerngruppen das Wissen aus Ausbildung und Beruf aufgearbeitet, gleichzeitig sollen dabei Wissenslücken gegenüber den „normalen“ Studenten geschlossen werden. Bereits während der Teilnahme an diesem speziell entwickelten Kurs werden die Teilnehmer mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung über 970 Euro monatlich gefördert. Mit der Phase drei beginnt schließlich das Studium, während dessen die Teilnehmer in kleinen Lerngruppen durch Lehrer der Hochschule betreut werden.

Berufsausbildung als Voraussetzung

Voraussetzung für eine Bewerbung für das Modellprojekt ist eine mit guten Noten abgeschlossene Berufsausbildung, die einen Bezug zum angestrebten Studienfach aufweist. Zusätzlich müssen Bewerber mindestens drei Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Eine weitere Voraussetzung ist darüber hinaus ein gewerkschaftliches oder besonderes gesellschaftspolitisches Engagement.

(Redaktion)

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