Der Numerus Clausus

Ist die Wahl für einen Studiengang erst einmal gefallen, stolpern viele Schulabgänger höchstwahrscheinlich als erstes über die vielen verschiedenen Zulassungsbeschränkungen, die den Zugang zu den Hochschulen nicht unbedingt erleichtern.

Der Numerus Clausus oder auch NC ist an mittlerweile fast allen deutschen Unis entscheidend, um für einen Studiengang zugelassen zu werden und gibt Aufschluss darüber, wie die kapazitätsbezogene Zulassungsbeschränkung in den jeweiligen Studienfächern und im jeweiligen Studiensemester die Aufnahme und den Bewerbungsandrang an der Hochschule regeln. Auch wenn laut Grundgesetz jeder Deutsche das Recht auf Zugang zu Bildung hat, helfen gerade die Zulassungsbeschränkungen den Hochschulen, mit dem großen Ansturm an Schulabgängern zu Recht zu kommen. Das verfügbare Lehrpersonal, die sachlichen und räumlichen Kapazitäten geben letztendlich Aufschluss darüber, wie viele Studienplätze in einem Studienfach zur Verfügung stehen.

Die Durchschnittsnote beim Abitur als erstes und die Wartesemester (Zeiten ohne Einschreibung an einer Hochschule) als zweites Kriterium, entscheiden schließlich darüber, welchen Zulassungsrang jeder Studienbewerber belegt. Entscheidend sind dabei vor allem die Abitur-Note und die Wartezeit des zuletzt zugelassenen Bewerbers. Das Gerücht, dass jedes Wartesemester die Abiturnote um jeweils 0,1 Punkte verbessert, hält sich diesbezüglich besonders hartnäckig, muss aber definitiv widerlegt werden. Die Auswahlgrenzen erfährt man meist auf den Internetseiten der Hochschulen oder der ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen).

Seit dem Wintersemester 2005/06 gelten diesbezüglich folgende Richtlinien:

  • 20 % der Studienplätze entsprechend der Note
  • 20 % nach Anzahl der Wartesemester
  • 60 % der Plätze vergibt die jeweilige Hochschule nach eigenem Ermessen (AdH: Auswahlgespräch, Berufspraxis, Tests)
  • Verbleibenden Studienplätze werden per Losverfahren vergeben

Je Stärker die Nachfrage nach einem bestimmten Studienfach und umso stärker die Konkurrenz ist, desto höher ist der Numerus Clausus und desto weniger Studienplätze stehen zur Verfügung.

Gerade der hohe Andrang an den Hochschulen in Deutschland lässt den Numerus Clausus in die höher schießen, so dass immer mehr Schulabgänger vor dem Problem stehen, nicht ihr Wunsch-Studienfach belegen zu können. Der Studiengang „Medizin“ (vier Mal so viele Bewerber wie Studienplätze) stellt dabei wie so oft die größte Hürde da und veranlasst viele Studienbewerber, sich nach Alternativen umzuschauen.

So zieht es tausende deutsche Studienanfänger an die österreichischen Hochschulen, die nach einem Beschluss der EU-Richter in 2005 Ihre Türen auch für ausländische Studenten öffnen mussten. Der europäische Gerichtshof entschied damals, dass die Zugangsbeschränkungen gegenüber ausländischen Studenten an österreichischen Hochschulen nicht den Konformitäten der EU entsprechen. In einer Sonderregelung wurde jedoch aufgrund des großen Andrangs vorerst festgelegt, dass 20 % der Studienplätze Bürgern mit EU-Abiturzeugnis und 5 % Nicht-EU-Studienbewerbern zur Verfügung stehen.

Insbesondere der österreichische Ärzteverband steht dem großen Andrang an deutschen Medizinstudenten eher kritisch gegenüber. Die Abwanderung nach dem Examen zurück nach Deutschland (80 % Absolventen kehren zurück) könnte, wie bereits in Deutschland, auch dort zu einem Ärztemangel führen. Um dieser Entwicklung und dem Ärztemangel in Deutschland entgegenzuwirken, wird mittlerweile sogar in der Regierung laut über eine Abschaffung des Numerus Clausus nachgedacht, um es somit den österreichischen Hochschulen gleich zu tun.

Ein schwieriges Unterfangen, denn die Regelungen der Zulassungsbeschränkungen ist allein den Bundesländern überlassen.

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